Artikel Archiv  Themen
good news, bad news, whatever
481 Artikel (81 Seiten, 6 Artikel pro Seite)

zu Seite: 12 1 .. 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 .. 81 zu Seite: 14


2007 stehen Homoehen im "Who's Who"  
Thema: Promi News

2007 stehen Homoehen im "Who's Who"




Wer
im renommierten Nachschlagewerk "Who's Who" steht, hat es geschafft, er
gilt sozusagen als prominent. Nun hat der Herausgeber des
Nachschlagewerkes eine kleine Revolution ausgelöst: Homosexuelle
Partnerschaften sollen ab dem Jahr 2007 erwähnt werden.


Da
wird wohl auch die Partnerschaft von Elton John und seinem
Lebensgefährten und Angetrauten David Furnish erwähnt werden. Das ist
ja wohl Ehrensache, stammt das bekannte Promi-Nachschlagewerk doch aus
Grossbritannien. Wie der Verlag in einer Presseaussendung bekannt gab,
kann die Entscheidung aber erst in der nächsten Ausgabe umgesetzt
werden, die dann im Jahr 2007 erscheinen soll. Schwule und lesbische
Beziehungen wurden im "Who's Who" bisher einfach nicht erwähnt.



Auch George Michael und Kenny Gross werden dann wohl im "Who's Who" als
Paar auftauchen, haben sie doch bereits ihre Pläne für eine "Heirat"
öffentlich gemacht. Derzeit umfasst das "Who's Who" mehr als 32.000
Einträge zu Prominenten, wobei diese selbst bestimmen können, was über
sie veröffentlicht wird. Zu diesem Zweck erhalten sie ein Formular, in
das sie ab sofort bei Bedarf auch eine homosexuelle Partnerschaft und
den Termin der Registrierung bzw. Hochzeit eintragen können.
Geschrieben von Jadmanx am Donnerstag, 26. Januar 2006

70.000 HIV-Neuinfektionen in China  
Thema: Nachrichten aus aller Welt !

70.000 HIV-Neuinfektionen in China




In
China haben sich im vergangenen Jahr 70 000 Menschen neu mit der
Immunschwächekrankheit Aids angesteckt. Damit leben in der
Volksrepublik heute rund 650 000 Menschen mit dem HIV-Virus.


Dies berichteten das Gesundheitsministerium, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UNO-Programm UNAIDS in Peking.



In ihrem Bericht wurde die Gesamtzahl der geschätzten Infektionen wegen
besserer Erhebungen von bisher 840 000 auf 650 000 nach unten
korrigiert. Es gebe aber keine Anzeichen, dass die Ausbreitung der
Aids-Epidemie in China zurückgehe.



Vielmehr verbreite sich die Krankheit jetzt nicht mehr vor allem in
Hochrisiko-Gruppen, sondern zunehmend auch in breiten
Bevölkerungsschichten aus. Hauptursachen für Aids-Infektionen in China
seien ungeschützte Sexulakontakte und das Spritzen von Drogen.

Geschrieben von Jadmanx am Donnerstag, 26. Januar 2006

Martin macht müde Männer munter  
Thema: Erotische Gay Geschichten


Martin macht müde Männer munter

„Darf ich ihnen Martin Loge vorstellen? Der
neue und hoffentlich tatkräftige Jugendgruppenleiter unserer Gemeinde.“
Pastor Uwe Hallmann deutete auf einen jungen Mann von 22, der neben ihm
stand. „Hallo, guten Abend!“ Martin reichte jedem der 8 anwesenden Mitglied
des Kirchenvorstandes die Hand. „Vielleicht kannst du uns ja etwas über
deinen bisherigen Lebenslauf mitteilen.“ Pastor Hallmann setzte sich an
den Kopf des langen Tisches, der im großen Saal des Gemeindehauses
stand. „Ja, das kann ich gerne tun.“ begann Martin. „Also, ich bin in Hannover
geboren, da wurde ich dann getauft und später auch konfirmiert. Ich
habe dann mit 16 eine Ausbildung als Jugendgruppenleiter gemacht. Außerdem
habe ich einige Kurse über Theologie besucht, in Hamburg und Lübeck
meistens. Dann bin ich nach Braunschweig gezogen. Nebenbei gebe ich noch
Gitarrenunterricht. Tja, und jetzt bin ich hier, um mich nützlich
zu machen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Die Mitglieder des Kirchenvorstandes
nickten sich gegenseitig wohlwollend zu. „Und weil das schließlich
heute mein Einstand ist, habe ich gedacht, daß ich etwas zu trinken
spendiere.“ fügte Martin seinem kleinen Vortrag noch hinzu. „Das ist
ja nett!“ entfuhr es Frau Lisbeth Kämmerer, einer kleinen rundlichen
Frau Ende 50. „Das finde ich auch.“ Meinte der 30jährige Diakon Christian
Spatz. „Ach...“ Martin ging zur Tür des Saals, hinter der er einen
Korb mit einigen Flaschen und Pappbechern hervorholte. Alle im Saal bedienten
sich dann fröhlich mit Saft, Sekt und was Martin sonst noch so mitgebracht
hatte. Während des  lebhaften „Gelages“ stellte der Pastor Martin
die anderen vor. „Das ist Frau Kämmerer, sie ist schon lange in unserer
Gemeinde tätig als Leiterin der Seniorenkreise.“ Brav schüttelte
Martin Frau Kämmerer noch mal die Hand. „Das ist Frau Meyer - Graumüller.
Sie leitet den Frauenkreis.“ Martin stand vor einer  griesgrämig
dreinschauenden Frau um die 40. „Frau Daniela Meinhard, Herr Hans Klein,
Frau Britta Kerber und Herr Peter Folke, unser Finanzausschuß .“
Die vier nickten Martin freundlich zu. „Und, schließlich, Unser Diakon
Christian Spatz und sein Frau Anne. Sie sind natürlich nicht im Kirchenvorstand,
aber...“ „Hallo.“ Christian Spatz gab Martin die Hand, ebenso seine Frau.
„Naja...dann hole ich mir auch mal ein Glas...Wasser.“ Gerade rechtzeitig
erinnerte sich Uwe Hallmann daran, daß er keinen Alkohol mehr trinken
durfte. „Also sie werden dann unsere Jugendgruppe leiten.“ Sagte Christian
Spatz. Martin nickte. „ich hörte schon, daß das Thema in den
letzten Monaten ziemlich eingeschlafen ist, seit mein Vorgänger weggezogen
ist.“ Martin nahm einen Schluck von seinem Orangensaft. „Das stimmt. Wird
Zeit, daß mal wieder ein wenig Schwung hier rein kommt.“ Entgegnete
Christian. „Sagen sie, sind sie verheiratet?“ fragte Anna Spatz. „Also
Anne!“ rügte Christian sie. „Ach, ist schon in Ordnung. Nein, ich
bin nicht verheiratet.“ Martin lächelte. „Erlauben sie mir auch eine
Frage: Haben sie Kinder?“ „Ja, einen 5jährigen Jungen, Markus.“ Erwiderte
Anne. „Oh, wundervoll.“ „Tja...“ „War nett, sie kennenzulernen. Wir sehen
uns sicher noch.“ Meinte Martin und ging zu Pastor Hallmann. „Bestimmt.“
Sagte Christian und sah Martin nach. „Ein sympathischer junger Mann.“ Meinte
Anne Spatz zu ihrem Mann. „Ja, das ist er.“ Christians Blicke ruhten noch
auf Martin, der mit Uwe Hallmann einige Worte wechselte. „Herr Hallmann,
ich muß dann auch gehen, meine Wohnung ist noch nicht ganz in Ordnung,
sie wissen, der Umzug und so...“ „Sicher Martin, gehen sie nur. Sie kommen
doch morgen in den Erntedankgottesdienst?“ „Natürlich. Um 10 Uhr?“
fragte Martin. „Ja. Danke noch mal für die Getränke.“ Erwiderte
Uwe Hallmann. „Also ich verabschiede mich jetzt. War nett sie alle kennenzulernen!“
sagte Martin noch in die Runde, nahm seinen Korb und verließ das
Gemeindehaus und fuhr in seine Wohnung.

„Das war wirklich ein schöner Gottesdienst,
Uwe!“ sagte Anne Spatz, als sie mit ihrem Mann aus der Kirche kam. „Danke
Anne. Kommt ihr noch ins Gemeindehaus zum gemeinsamen Mittagessen?“ „Natürlich.“
Erwiderte sie. „Wird denn dieser Martin Loge auch da sein?“ wollte Christian
wissen. „Ich weiß nicht, aber da kommt er gerade. Martin!“ rief Uwe
Hallmann. Martin sah sich um und kam dann zu den dreien. „Ach hallo!“ sagte
er. „Wirklich schön, ihr Gottesdienst.“ „Ja, nicht wahr?“ Anne Spatz
lächelte ihn an. „Kommen sie noch zum Essen ins Gemeindehaus?“ fragte
Christian. „Tja...wenn’s nicht zu lange dauert...“ erwiderte Martin. „Sicher
nicht.“ Meinte Pastor Hallmann zuversichtlich. „Na dann, gehen wir mal.“
Sie gingen, vorläufig noch ohne Pastor Hallmann, der noch einige Leute
verabschiedete, ins Gemeindehaus. Dort wimmelte es schon von hungrigen
Menschen, die sich in der neuen Küche das Essen, bestehend aus einem
Braten, Klößen und verschiedenem Gemüse, abholten. „Such
du schon einen Platz Schatz, ich bringe dir was mit.“ Sagte Christian zu
seiner Frau. „Danke Liebling.“ Sie begab sich in den großen Saal.
„Haben sie sich hier schon eingewöhnt?“ fragte Christian Martin. „Naja,
ich bin es gewohnt, umzuziehen, sagen wir es mal so.“ erwiderte der. „Wieso
das?“ wollte der junge Diakon wissen. „Sind sie schon so oft umgezogen?“
„Wissen sie, ich mache es wie Cher in „Meerjungfrauen küssen besser“:
Eine verflossene Liebe, ein neuer Umzug. „Ist das denn nicht sehr teuer
und kostenaufwendig?“ „Naja, geht so. Ein bißchen Geld bekomme ich
auch von meinen Eltern. Und sonst, nun, öfter mal was neues, verstehen
sie?“ Christian nickte. Jetzt bekamen die beiden auch schon ihr Essen.
„Eine verflossene Liebe also?“ fragte Christian. „Sind sie jetzt darüber
weg?“ „Ja klar“, meinte Martin, „Er war sowieso ein Blödmann. Da ist
ihre Frau.“ Christian blieb stehen. Er? Martin war...Jetzt wußte
er es. Aber was sollte es. Schnellen Schrittes ging er ihm hinterher, zum
Tisch, den seine Frau ausgesucht hatte. „Sieh mal, mein Vater hat Markus
vorbeigebracht.“ Anne hob ihren Sohn von ihrem Schoß. „Das ist also
ihr Sohn?“ fragte Martin. „Der ist ja wirklich süß.“ Fasziniert
sah Martin den kleinen Jungen mit den struppigen Haaren an, der durch den
Gemeindesaal wetzte. „Ja, das ist er.“ Murmelte Christian gedankenverloren,
während er Martin beobachtete. „Können wir jetzt essen?“ fragte
Anne ihren Mann. „Oh ja, natürlich.“ Christian stellte Anne und sich
selbst einen Teller hin. Dann nahm er ihr gegenüber Platz, da Markus
wiederkam und sich neben seine Mutter setzte. „Sie setzen sich doch mit
hierher oder?“ fragte Anne Martin. „Kann ich machen. Darf ich...?“ Martin,
mit der Hand an dem Stuhl neben Christian, sah diesen fragend an. „Sicher,
sicher.“ murmelte er erneut. „Danke.“ Martin zog den Stuhl zurück
und setzte sich. Dann begannen alle zu essen. Ein kauendes Schweigen breitete
sich im Saal aus. Martin griff nach dem Salzstreuer auf dem Tisch, genau
im selben Moment wie Christian. Ihre Hände berührten sich kurz,
doch Christian nahm es genau wahr. „Oh, Entschuldigung.“ Sagte Martin heiter
- ahnungslos. „Nehmen sie ruhig zuerst.“ „Nein, danke, eigentlich...will
ich doch kein Salz.“ Sagte Christian zögerlich. „Na dann...“

„Sagen sie, hätten sie Lust, nächste
Woche einmal zu uns zum Essen zu kommen?“ fragte Anne nach vollendetem
Mahle. „Oh, das ist sehr nett, vielen Dank, aber -“ „Sie können doch
nicht ablehnen!“ unterbrach ihn Anne. „Also gut.“ Meinte Martin. „Vielen
Dank.“ „Wie wäre es Freitag?“ fragte Anne. „Das paßt mir gut.“
Entgegnete Martin. „Es ist dir doch recht Schatz, oder?“ sprach sie ihren
Mann an. „Was? Ja, was immer du meinst.“ Erwiderte er geistesabwesend.
„Naja, ich geh dann mal.“ sagte Martin. „Ich will noch etwas für die
Jugendgruppe am Mittwoch vorbereitet sein. Es muß gut werden. Es
ist schließlich...mein erstes Mal hier.“ Christian sah ihn auf einmal
an. „Was sagen sie?“ „Mein erstes Mal. In der Jugendgruppe!“ „Ach so. Ja.“
„Vielleicht kommen sie ja mal vorbei, ich würde mich freuen. Machen
sie’s gut, bis dann.“ Martin stand auf und ging. „Ein wirklich netter junger
Mann.“ Meinte Anne wieder. „Warum hast du ihn um essen eingeladen?“ wollte
Christian auf einmal wissen. „Naja, er ist neu hier, nett, ein Kollege
-“ „Na und?“ fuhr er seine Frau an. „Das hast du sonst auch nie gemacht.“
„Aber Liebling, ich habe dich doch gefragt, ob es dir recht ist.“ „Natürlich,
nur, damit ich mein Ja auch noch dazugebe.“ Christian blickte mißgestimmt
vor sich hin. „Also ehrlich, ich weiß gar nicht, was du hast.“ Anne
schüttelte den Kopf.

„Also hallo, ich bin Martin Loge und ich
werde das hier ab heute so leiten, nech? Vielleicht bekomme ich mit der
Zeit noch ein paar Helfer, aber im Moment bin ich hier „The one and only“
Master, klar?“ „Alles klar, Meister!“ sagte einer der Jugendlichen, die
sich mehr oder weniger zahlreich im Jugendheim versammelt hatten. „Gut...ich
habe für heute nichts so spezielles vorbereitet, ich dachte mir nur,
ihr erzählt mir und den anderen was über euch und ich erzähle
euch was über mich, wenn ihr’s hören wollt.“ „Nee!“ tönte
ein anderer junger Mann um die 14. „Ach nein? Dann kannst du ja gleich
mal anfangen mit erzählen!“ meinte Martin. „Ohh, muß das sein?“
Martin grinste ihn an. „Na also gut, ich bin Rolf.“ „Rolf, was’n das für’n
Asi-Name!“ Zwei Mädchen ungefähr im selben Alter wie Rolf, lachte
sich kaputt. „ey ihr, wie heißt ihr zwei hübschen denn?“ wollte
Martin sogleich wissen. „Kathrin!“ sagte eine. „Janett.“ Sagte die andere.
„So heißt meine Schwester auch.“ meinte Martin. „Echt?“ fragte Janett
und schaute kugelrund. „Nein! Haha!“ Alle lachten mit Martin. „Doch, klar,
Janett. Sorry!“ Janett sah etwas pikiert und beleidigt drein. Das freute
Kathrin, denn irgendwie...vielleicht hatte sie jetzt mehr ein Chance bei
diesem attraktiven, charmanten und humorvollen Gruppenleiter in spe. Er
sah wirklich gut aus, wellige dunkle Haare, grüne Augen, gut gebaut...Sie
seufzte. „Der ist echt blöd.“ Flüsterte Janett ihr zu. „Da hast
du recht.“ Freudig lächelte Kathrin in sich hinein. „Wollt ihr denn
nun was von mir wissen...?“ Martin sah fragend in die Runde. „Hast du eine
Freundin?“ entwich es Kathrin. „Das war ja mal wieder typisch Kathrin!“
grölte einer ihrer Kameraden, woraufhin sie beschämt zu Boden
sah. Doch Martin grinste nur, und sagte: „Nein, eine Freundin habe ich
nicht, weitere interessante Fragen?“ Daraufhin glühte Kathrins Gesicht
wieder vor Freude, und die Beleidigung von eben war vergessen. „Wie alt
sind sie?“ fragte ein anderes bebrilltes Mädchen, das interessiert
schaute. „22.“ „So alt schon?“ Natürlich war es wieder Kathrin, die
diese Bemerkung fallenließ. „Naja, also, daß ich 22 bin heißt
ja nicht, daß ich schon klinisch tot wäre oder sowas.“ Alle
schmunzelten. „Nein, ich dachte ja auch nur -“ Kathrin kam nicht weit.
„Was machen wir nächstes Mal?“ wollte Rolf wissen. „Tja, das weiß
ich noch nicht, aber ihr könntet mir ja mal sagen, was ihr gerne machen
wollt.“ Sagte Martin. „Eis essen gehen.“ „Ins Kino.“ „Schlittschuhlaufen
in der Eishalle.“ „Schlafen.“ Kamen die Vorschläge. „Naja, Kino ist
wohl ‘n bißchen dröge.“ Meinte Martin. „Aber was haltet ihr...von
einem Besuch im Planetarium?“ „Boah, das is cool, da war ich schon öfter.“
Meinte Tim, ein rundlicher Junge von 13 Jahren. „Da liegt man im Dunkeln
und guckt Sterne an.“ „Was du nich sagst.“ Kommentierte Kathrin. „Also,
hättet ihr Lust?“ „Klar.“ „Sicher!“ „Wird bestimmt witzig!“ kam die
Resonanz aus der Runde. „OK, ich werde sehen, ob ich das organisieren kann.
Ihr könntet mir alle mal eure Telefonnummern geben, dann mach ich
so ‘ne Art Telefonkette, damit ihr wißt, wie es läuft. Oder
ich schicke euch ‘nen Zettel zu. Den müßtet ihr dann mitbringen,
wegen Erlaubnis der Eltern und so.“ meinte Martin „Am besten schreibt ihr
mir eure Adressen auf.“ Er zog einen Zettel und einen Stift aus seiner
Tasche, die er bei sich und reichte die Utensilien herum. Nachdem alle
auf den Zettel geschrieben hatten, stand Martin auf und sagte: „Tja, und
da ich jetzt nichts mehr so geplant hatte, könnten wir ja ein Eis
essen gehen...?“ „Jaaa!“ riefen alle begeistert. „Na dann man los!“

„Ich glaube das ist er, mach du mal auf,
Christian.“ Rief Anne Spatz aus der Küche, als es am Freitag abend
um 20 Uhr an der Tür klingelte. „OK.“ Beschwingten Schrittes, eilte
Christian Spatz zur Tür, um sie zu öffnen. Seine Frau hatte recht
behalten: Es war Martin, in einem elegant - modernen Anzug und mit einer
Flasche Wein in der Hand. „Guten Abend!“ Martin hielt die Flasche hoch.
„Ich habe auch was mitgebracht.“ „Ach, das wäre doch nicht nötig
gewesen...“ sagte Christian und nahm die Flasche entgegen. Es war Rotwein.
Und das noch teurer italienischer, wie Christian sofort erkannte. „Kommen
sie doch bitte herein.“ „Danke.“ Martin ging an ihm vorbei in die Wohnung.
Christian witterte den Geruch von Martins Parfum in der Luft. „Sie haben
es ja wirklich schön hier.“ Sagte Martin, als er sich die moderne
Wohn - und Eßzimmerkombination  ansah. „Danke, wir mögen
es auch.“ Christian betrachtete Martins Wimpern. Er hatte wirklich unglaublich
lange Wimpern! „Das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ Martin sah Christian
an. Und diese Augen! Diese braunen Augen sprühten ja geradezu vor
Temperament! „Was? Oh ja, das war dumm.“ Sagte Christian und lächelte,
in der Hoffnung daß...Oh ja, dieses Lächeln, es war so... bezaubernd,
so einnehmend, so... „Ach, hallo Herr Loge!“ Anne kam aus der Küche,
noch mit der Schürze um den Körper. „Entschuldigen sie bitte
die Aufmachung, aber die brauche ich zum Kochen.“ „Sie sehen auch so hinreißend
aus.“ Meinte Martin. „Wissen sie, daß sie ein Schmeichler sind?“
Anne lachte. „Es ist die reine Wahrheit.“ Meinte Martin. „Und wo ist der
kleine Markus?“ „Der ist schon im Bett.“ Klinkte sich Christian in das
Gespräch ein. „Im Bett, so so.“ Oh, warum mußte er nur immer
so etwas...zweideutiges, anzügliches sagen? „Ja, normalerweise geht
er nicht so früh schlafen, aber heute hat er so getobt...“ meinte
Anne dazu. „Aber genug geredet, ich glaube, das Essen ist fertig. Wie ich
sehe, hast du dich um den Wein schon gekümmert.“ „Naja, den hat Herr
Loge mitgebracht.“ Erwiderte Christian mit einem Seitenblick auf Martin.
„Ach? Wirklich? Wie nett!“ sagte Anne. „Dann setzt euch doch bitte an den
Tisch, ich hole das Essen.“ „Soll ich dir helfen?“ fragte Christian höflich.
„Nein, es geht schon, danke Liebling.“ Schon war die Frau des Diakons in
der Küche verschwunden. „Genau, setzen wir uns doch.“ Sie nahmen am
Eßtisch Platz. „Sie waren am Mittwoch ja doch nicht da.“ Meinte Martin.
„Ich dachte, sie wollten vielleicht mal vorbeischauen...“ ‘Ich würde
mich freuen’ hallte es Christian auf einmal wieder durch den Kopf. „Oh
ja, das habe ich ganz vergessen. Das tut mir leid. Ich schaue nächstes
Mal vorbei.“ „Da sind wir im Planetarium, wenn ich noch einen zweiten Fahrer
finde.“ Sagte Martin. „Ach, haben sie denn keinen?“ fragte Christian interessiert.
„Nein, noch nicht, leider, ich weiß ja auch gar nicht, wen ich fragen
soll...“ Mit einem anmutigen Augenaufschlag sah Martin den Diakon an. „Ich
würde das gerne übernehmen.“ Sagte Christian wie hypnotisiert.
„Wirklich?“ fragte Martin freudig überrascht. „Das wäre wirklich
total nett.“ In diesem Moment kam Anne mit dem Essen ins Zimmer: Ente mit
Rotkohl und Kroketten. „Ach, ich dachte, du hättest unserem Gast vielleicht
schon etwas zu trinken angeboten.“ sagte sie, als sie das Essen auf dem
Tisch kredenzte. „Oh, das habe ich ganz vergessen.“ Sagte Christian. „Nicht
so schlimm.“ Meinte Martin. „Ich hätte sowieso abgelehnt.“ Sie sahen
sich an. „Da fällt mir ein, nennen sie mich ruhig Anne.“ „Gerne, ich
heiße Martin, wie sie wissen.“ sagte er auffordernd. „Und mich nennen
sie bitte auch Christian,...Martin.“ „Mit dem größten Vergnügen.“
erwiderte der Angesprochene. „Darauf müssen wir anstoßen.“ Sagte
Anne. „Machst du bitte den Wein auf, Christian?“ „Natürlich Anne.“
Christian tat wie ihm geheißen. Dann füllte er die Gläser.
„Also, auf uns und einen schönen Abend!“ Er lächelte.

„Das war wirklich ein tolles Essen, Anne!“
lobte Martin, als die drei ihr Mahl beendet hatten. „Wie bekommt ihr Frauen
das nur immer so toll hin?“ fragte Christian seine Frau. „Naturtalent.“
Erwiderte Anne und grinste. „Naja, ich muß jetzt leider auch gehen.“
Sagte Martin nach einer Weile. „Was, jetzt schon?“ fragte Christian mit
einem Unterton, der etwas Enttäuschung zum Vorschein brachte. „Ja,
leider, ich muß morgen früh noch mal nach Hannover, meine Eltern
haben noch ein paar Sachen für mich aufbewahrt, die will ich abholen.“
Erklärte Martin seinen frühen Abgang. „Könnte ich vielleicht
von hier aus ein Taxi rufen?“ „Wieso das, ist ihr Wagen kaputt?“ wollte
Anne wissen. „Ja, genau das.“ Entgegnete Martin. „Deswegen kann ich ja
auch erst morgen nach Hannover, weil mein Auto dann fertig ist. Ich hatte
ein paar kleine Probleme mit der Zündung und so. Und wie das nun mal
ist, wenn man sein Auto am Freitag in die Werkstatt bringt...“ „Aber ich
bringe sie doch gerne nach Hause!“ bot sich Christian sofort bereitwillig
an. „Aber das kann ich doch nicht annehmen...“ sagte Martin daraufhin.
Man konnte ihm fast ansehen, daß er das nicht ernst meinte. Wie konnte
er es auch ablehnen, von einem gutaussehenden, netten jungen Mann nach
Hause kutschiert zu werden? „Doch, doch, Christian macht das sicher gerne.“
Meinte auch Anne. „Das ist wirklich zu nett von ihnen.“ Sagte Martin und
schenkte Christian sein schönstes Lächeln. „Dann fahren wir mal.“
Meinte Christian daraufhin. „Gut, war wirklich nett, sie hier zu haben.“
Anne gab Martin zum Abschied die Hand. „Würde mich freuen, sie bald
wiederzusehen.“ „Ganz meinerseits.“ Martin drückte ihre Hand. „Und
vielen Dank noch mal.“

„Kommen sie.“ Christian führte Martin
im Dunkeln zu seinem Wagen. „Steigen sie ein.“ „Danke.“ Martin stieg in
den Kombi ein, den Christian sein eigen nannte. Nachdem auch dieser im
Wagen saß, fuhren sie los. Der erste Teil der Fahrt war recht schweigsam,
bis auf die Wegbeschreibung von Martin. Christian war auch viel mehr mit
seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Jetzt erst fiel ihm auf, daß
er sich den ganzen Abend lang nur auf Martin konzentriert hatte. Er hatte
ja geradezu vor sich hin geschwärmt. Und das verwirrte ihn. „Sie haben
wirklich eine tolle Frau.“ Wurde er von Martin aus seinen Gedanken gerissen.
„Was? Ach, ja, das habe ich wirklich.“ Christian dachte kurz über
den Satz nach. „Sie haben wirklich ein tolle Frau.“ Es stimmte doch, er
hatte ein wunderbare Frau, einen bezaubernden Sohn und er liebte beide.
Tat er doch oder? Natürlich. Christian lächelte vor sich hin.
„Ja, sie ist wirklich toll.“ Schnell hatte er die Gedanken über seine
Schwärmerei beiseite geschoben. Darüber war er gar nicht unglücklich.
„Und Anne kann sich auch glücklich schätzen, bei so einem Mann
wie ihnen.“ Warum sagte Martin bloß immer im unpassendsten Moment
die unpassendsten Sachen? Wahrscheinlich dachte er nicht darüber nach,
denn woher sollte er wissen, wie es in Christians Kopf gerade in diesem
Moment aussah? Er konnte es gar nicht wissen. Also seufzte Christian nur.
„Ja, ja.“ Er atmete auf, als Martin endlich auf ein Haus zeigte und sagte:
„Dort ist es.“ Christian parkte den Wagen vor dem Haus. „Gut. Dann sehen
wir uns ja Mittwoch. Wo treffen wir uns?“ fragte Christian. „Am besten
vor dem Jugendheim. Ein Freund von mir leiht uns seinen Van. Er wäre
auch gefahren, aber leider...“ Martin lächelte. „Kommen sie um 18
Uhr. Wir sind in der Vorführung um viertel vor sieben. Noch mal vielen
Dank, daß sie fahren.“ „Kein Ursache.“ Christian lächelte zurück.
„Also dann tschüs!“ Martin stieg aus und schloß die Autotür
hinter sich. Christian blieb noch eine Weile im Auto sitzen. Er fuhr erst
los, als er im ersten Stock Licht in einem Fenster sah.

 

Am Mittwoch stand Christian um Punkt 18
Uhr vor dem Jugendheim. Viele Jugendlich standen ebenfalls vor dem Gebäude
und beäugten ihn mißtrauisch. Da kam zu Christians Erleichterung
auch schon Martin, der sagte: „Hallo, schön, daß sie jetzt auch
da sind! Los, Leute, wir müssen!“ Er lotste die 15 Jugendlichen ihn
die zwei Vans. „Wir haben nur noch 45 Minuten, um nach Wolfsburg und ins
Planetarium zu kommen.“ Sagte er noch zu Christian. „Soll ich vorfahren
oder wollen sie?“ „Was?“ Christian hatte ihm gar nicht zugehört. Er
hatte ihn nur fasziniert angesehen. „Ob ich vorfahren soll!“ wiederholte
Martin. „Ja, ja, machen sie mal.“ „Gut, dann los!“ Die beiden stiegen in
die Busse und düsten los. Sie hatten Glück, daß wenig Verkehr
war und kamen deshalb pünktlich im Planetarium an. Die Vorführung
an dem Tag befaßte sich mit Sternzeichen. Alle Jugendlichen waren
sehr interessiert und verhielten sich anständig. Deshalb machte Martin
nach der Vorstellung einen Vorschlag: „Wie wäre es, wenn wir noch
zu Mc Donalds fahren?“ fragte er. Allgemeine Begeisterung für seinen
Vorschlag schlug ihm entgegen. „Sie haben doch nichts dagegen?“ wandte
er sich noch an Christian. „Natürlich nicht!“ erwiderte er. Christian
konnte sich einfach nicht gegen den Charme des jungen Mannes zur Wehr setzen.
Sowas war ihm noch nie passiert! Martin war wohl eben etwas ganz besonders.
„Hier oder in Braunschweig?“ „Hier.“ Meinte Christian einfach ohne Überlegung.
„Gut, also dann, ab dafür!“ Ein halbe Stunde später saßen
alle mampfend und glücklich bei Mc Donalds herum. Christian hatte
sich einen schönen Ecktisch gesucht und hielt nun nach Martin Ausschau.
Nach einer Weile kam dieser auch mit einem Tablett an den Tisch. „Hier,
ich habe ihnen etwas mitgebracht, ich hoffe, sie mögen es.“ Martin
stellte Christian einen Doppelcheeseburger, eine große Tüte
Pommes Frites und eine Cola hin. „Weil sie so nett waren, und mir geholfen
haben.“ „Ist doch nicht der Rede wert.“ Meinte Christian daraufhin. „Danke
dafür.“ Die beiden aßen so vor sich hin, bis Martin fragte:
„Darf ich ihnen mal eine Frage stellen?“ „Sicher, nur zu.“ Christian schlürfte
seine Cola. „Ich hoffe, sie denken jetzt nicht, ich spinne, aber ich möchte
wissen, wie sie den Typen dahinten finden.“ Diskret deutete Martin auf
einen gutaussehenden Mann, der am Tisch gegenüber saß. „Ich
würde sie ja nicht fragen, ich weiß ja, daß sie verheiratet
sind und sich nicht für Männer interessieren und so weiter, aber
ich möchte ihre Meinung wissen.“ Christian sah Martin erstaunt an.
War er etwa an diesem Kerl interessiert? Er sah vorsichtig zu dem anderen
Tisch hinüber. Na gut, er sah verhältnismäßig gut
aus, aber war das denn alles? Aber warum fand er das so ungewöhnlich
und irgendwie nicht besonders gut, daß Martin ihn fragte, wie er
einen anderen Mann fand. Es war alles sehr verwirrend. „Nun...Er...ist
mir nicht so sympathisch.“ Sagte er. Hatte er das wirklich gesagt? Dieser
Mann sah doch ganz nett aus? Oder war es möglich, daß Christian
nicht wollte, daß Martin diesen Typen gut fand, weil er... Schnell
schob Christian diesen Gedanken beiseite, wie immer. „Ja? Finden sie?“
wollte Martin irgendwie enttäuscht wissen. „Naja, ich -“ „War ja auch
‘ne blöde Frage, entschuldigen sie bitte.“ „Nein, nein, ist schon
in Ordnung.“ Dieser Gedanke war einfach nicht immer beiseite zu schieben!
Christian sah einmal den Tatsachen ins Auge: Er fand Martin sehr nett,
mehr sogar. Mehr konnte er sich noch nicht eingestehen. „Nein, wirklich,
ich hätte sie nicht fragen sollen.“ Meinte Martin. „Lassen sie uns
fahren, ihre Frau wartet sicher schon auf sie.“ Wie kam Martin gerade auf
seine Frau? Er dachte wohl, Christian wäre mit den Gedanken immer
nur bei ihr und seinem reizenden Sohn. Aber falsch gedacht! „Gut, fahren
wir.“ Sagte Christian nichtsdestotrotz. Also kutschierten die beiden die
Jugendlichen wieder zurück. Während der Fahrt nach Braunschweig
dachte Christian wieder über einiges nach. Er mußte seine Gefühle
erst mal ordnen, was gar nicht so leicht war.


Was bedeutete Martin für ihn, dieser
junge Mann, den er doch erst vor etwas über einer Woche kennengelernt
hatte? Er mochte ihn, soviel war klar. Aber was weiter? Das war nicht alles,
soviel war sicher. Der Gedanke, daß Martin ihm mehr von Wichtigkeit
war als ein normaler Freund? So etwas war ihm vorher noch nie passiert,
nicht bei einem Mann. Aber was war so ungewöhnlich daran. Christian
fiel ein Sprichwort ein: „Wo die Liebe hinfällt“ Liebe? Nein, konnte
das denn sein?


Nachdem alle Jugendlichen sich auf den
Heimweg gemacht hatten, kam Martin zu Christian. „Sind sie zu Fuß
gekommen? Ich bringe sie gerne nach Hause, mein Kumpel wird sich den Van
sowieso erst morgen abholen.“ „Ja, das wäre sehr nett.“ Stimmte Christian
zu. Die beiden stiegen also wieder in den Van und Martin fuhr bis zu Christian
nach Hause. „So, da wären wir.“ sagte er. „Ja...“ Christian überlegte
kurz, dann fragte er: „Wollen sie nicht noch kurz mit hoch kommen?“ Martin
sah Christian prüfend an. „Ja, warum eigentlich nicht.“ Sagte er dann,
ohne genau darüber nachzudenken, warum. Sie stiegen aus und gingen
zum Haus. Christian schloß die Haustür auf und trat ein. „Anne?“
Er machte das Licht an und betrat das Wohnzimmer. „Sie scheint nicht da
zu sein.“ Meinte Martin, der auch im Wohnzimmer stand. „Ja, scheint so.“
Christian stand eine Weile unentschlossen da. „Ach ja, wollen sie irgend
etwas trinken? Ein Glas Wein, irgend etwas?“ fragte er dann. „Nein, danke.“
Nein, danke. Was jetzt? „Dann...setzen sie sich doch wenigstens.“ „OK.“
Martin nahm auf dem Sofa Platz. „Kann...kann ich mit ihnen reden?“ wollte
Christian zaghaft wissen. „Sicher, worüber denn?“ Jetzt hatte er den
Salat. Worüber denn? Er mußte jetzt die Karten auf den Tisch
legen, ohne sie sich sozusagen vorher genau angesehen zu haben. Doch seine
Gefühle waren stärker als sein Verstand, der immer noch nicht
so ganz verstehen wollte, was Sache war. Er faßte sich dennoch ein
Herz. Doch zuerst mußte er sich setzen, falls er mittendrin ohnmächtig
wurde oder sowas. Also setzte er sich neben Martin. „Ich...muß ihnen
etwas sagen...“ „Dann sagen sie es doch.“ Ermunterte Martin ihn. „Das...ist
nicht so leicht...“ Christian suchte nach den passenden Worten. „Gut, ich
habe mich in sie...verliebt.“ Martins Augen weiteten sich. „Was?“ „Ja,
ich kann es nicht anders erklären, ich habe mich in sie verliebt.“
Wenigstens war es jetzt heraus. „Ich...sie müssen sich irren. Denken
sie mal nach, sie haben eine tolle Frau, einen Sohn, alles. Sie müssen
sich irren.“ Martin schüttelte beständig den Kopf. „Sie können
mir nicht sagen, wie meine Gefühle sind, ich kann doch auch nichts
dafür.“ Meinte Christian hilflos. Martin sah ihn eine Zeitlang schweigend
an. „Und was denken sie sich jetzt?“ Christian wollte etwas sagen, doch
Martin kam ihm zuvor. „Hören sie zu, sie sind verheiratet und haben
ein Kind, was denken sie, was sie damit erreichen, wenn sie mir das sagen?
Es bringt ihnen doch sozusagen gar nichts. Ich weiß es jetzt, na
und? Sie müssen ihr Leben so weiterleben wie vorher und ich meines
auch oder wie hatten sie sich das vorgestellt?“ Christian zuckte nur kraftlos
mit den Schultern. „Ach, ich verstehe, sie haben wahrscheinlich gar nicht
darüber nachgedacht. Sie haben, wie man so schön sagt, auf ihr
Herz gehört. Na toll.“ Martin sah an die Decke. „Ich...weiß
ja auch nicht, was ich jetzt tun soll -“ setzte Christian an. „Sie haben
doch nur eine Wahl!“ unterbrach Martin ihn. „Vergessen sie mich und leben
sie ihr Leben weiter.“ Martin stand auf. „Ich werde jetzt gehen.“ „Nein!
Geh nich, bitte...“ Christian sprang auf und hielt ihn am Arm fest. „Doch,
ich werde gehen.“ Martin schüttelte Christian leicht ab und drehte
sich um, doch Christian riß ihn am Ärmel herum und zog ihn an
sich. Und ohne nachzudenken, küßte er Martin, da er keine andere
Möglichkeit sah, ihn am Gehen zu hindern. Plötzlich knackte es
im Schloß der Haustür. Martin stieß Christian von sich
und sah ihn empört an. Da trat auch schon Anne Spatz in das Zimmer.
„Ihr seid wieder da? Hallo Martin!“


„Hallo.“ Sagte Martin nur, während
er Christian weiter wütend ansah. „Ich muß jetzt auch gehen.“
Fügte er hinzu, kälter als ein Gletscher es je sein könnte.
„Warte...warten sie, ich bringe sie noch zur Tür.“ sagte Christian
schnell. „Ich finde den Weg schon alleine.“ Martin funkelte Christian mit
seinen dunklen Augen an. „Auf Wiedersehen, Anne.“ Mit diesen Worten verließ
Martin das Zimmer. „Auf Wiedersehen, Martin?!“ Anne sah ihm verwundert
nach. „Was ist denn mit dem los?“ Diese Frage hatte sie an ihren Mann gerichtet,
doch der war bereits im Schlafzimmer verschwunden.


In der folgenden Nacht konnte Christian
nicht schlafen. Erstens weil er dauernd daran denken mußte, was Martin
jetzt wohl von ihm halten würde. Eins war sicher, er war sauer. Zweitens
hatte er irgendwie ein schlechtes Gewissen Anne gegenüber, einmal
wegen des Kusses und zum anderen wegen seinen Gefühlen. Und drittens
war er völlig verwirrt, was seine Gefühle betraf. Eigentlich
waren es doch eher seine Gedanken über Moral, Anstand und so weiter,
die ihm diese schlaflose Nacht bereiteten. Er mußte dennoch immer
wieder an den Kuß denken, der zwar erzwungen, aber trotzdem...schön
gewesen war. Das Martin sich so gesträubt hatte, hatte die Sache nur
noch interessanter gemacht. Martin wußte wohl einfach nicht, was
er für eine Anziehung auf ihn auswirkte. Aber trotzdem war es falsch!
Wieder wälzte sich Christian herum. Er war ein verheirateter Mann
mit Kind und heterosexuell noch dazu! Das hatte er jedenfalls bis vor einigen
Stunden noch gedacht. Aber gefühlt hatte er etwas ganz anderes. Da
war sie wieder, diese Sache mit Verstand und Gefühl. Wer von den beiden
würde den Kampf gewinnen? Christians Verstand sagte ihm, daß
es falsch war, aber die Gefühle waren an diesem Abend einfach stärker
gewesen. Und die sagten ihm immer fort: Nimm ihn dir, du willst ihn doch!
Christian zog die Augenbrauen zusammen. Er wurde auch das Gedanken nicht
los, daß er nichts als ein schäbiger Lügner war.


Am nächsten Morgen fand Christian
nur schwer aus dem Bett. Es war einer der Tage, an dem man besser in der
Falle bleibt, dachte er noch. Außerdem hatte er Kopfschmerzen, vom
vielen nachdenken. Und dabei war noch nicht einmal viel herausgekommen.
Nur, daß er Martin unbedingt wiedersehen wollte, trotz seiner Gewissensbisse.
Nur wie sollte er an ihn herankommen? Martins Reaktion von gestern war
ziemlich eindeutig gewesen. Aber vielleicht mochte er es nur nicht, überrumpelt
zu werden. Christian grübelte also, wie er sich ihm wieder annähern
konnte, denn das wollte er unbedingt. Er kam zu dem Schluß, daß
die Flucht nach vorn die beste Möglichkeit war. Er mußte ihn
in seiner Wohnung aufsuchen. Dies tat er auch, nachdem er einmal im Gemeindehaus
vorbeigeschaut hatte. Denn trotz seiner Probleme, gab es noch seine Arbeit.
Und bald hatte er wieder die Aufgabe, die Vorkonfirmanden zu unterrichten,
obwohl ihm im Moment gar nicht danach zumute war. Martin war ihm wichtiger.
Und deswegen stand er auch am frühen Nachmittag mit Herzklopfen vor
Martins Wohnungstür und wartete, daß Martin auf sein Klingeln
reagierte. Nach einer Weile öffnete Martin die Tür und sah Christian.
Sein Gesichtsausdruck wurde starr. „Was wollen sie?“ „Mit dir reden.“ Sagte
Christian, so wie er es ja auch vorhatte. „Ich wüßte nicht,
worüber wir zu reden hätten.“ Martin wollte die Tür schließen,
doch Christian drückte gegen sie. „Bitte.“ Er sah Martin in die Augen.
Martin erwiderte kurz den Blick. Dann hielt er die Tür auf. „Danke.“
Christian ging an Martin vorbei in die Wohnung. Martin starrte kurz auf
den Flur vor seiner Wohnungstür, bevor er die Tür schloß.
„Darf ich mich setzen?“ fragte Christian. Martin antwortete mit einem bejahenden
Achselzucken. Christian nahm in einem Sessel Platz. Er sah sich in der
Wohnung um. Sie war modern, aber dennoch gemütlich eingerichtet. Er
fühlte sich in ihr geborgen und irgendwie...sicher.


 „Schöne Wohnung hast du.“ Sagte
er deswegen. „Ich glaube nicht, daß sie hier sind, um mit mir über
meine Wohnung zu reden.“ Sagte Martin steif, immer noch ausdrücklich
mit dem ‘Sie’ in der Anrede. „Nein, du...sie haben recht.“ Christian räusperte
sich. „Ich...ich wollte mich wegen gestern entschuldigen.“ Martin zog die
Augenbrauen hoch. „Ist das alles?“ „Nein, ...natürlich nicht.“ Christian
sah zu Boden, dann wieder in Martins Augen. „Ich...wollte dich wiedersehen.“
Martin schlug die Augenlider nieder, ohne etwas zu erwidern. „Das...habe
ich mir gedacht.“ Sagte er dann doch. Er gewährte Christian wieder
einen Blick in seine dunklen Augen. „Und das stört dich...sie nicht?“
„Jetzt können wir uns auch duzen.“ Meinte Martin. „Wen sollte es stören?
Ich meine, sieh doch:“ Martin kam zu Christian, hob dessen Hand und berührte
den Ehering an seinem Ringfinger. „Du siehst es doch?“ Christian nickte.
Es kribbelte in seinem Körper ob Martins Berührung. „Was denkst
du, würde deine Frau dazu sagen?“ Christian hob die Schultern. „Sie
wäre nicht begeistert.“ Erst jetzt ließ Martin Christians Hand
wieder langsam los. „Das von gestern war wirklich dumm von dir. Du hast
wie immer nicht nachgedacht.“ „Aber ich mußte es tun!“ entwich es
Christian. „Ich wollte nicht, daß du gehst.“ „Und, hat es dir etwas
gebracht? Nein.“ Martin lächelte. „Doch.“ Sagte Christian fest. „Ich...habe
dich gespürt.“ Martin sah Christian in die blauen Augen. „Es...ist
besser, wenn du jetzt gehst.“ Sagte er, nachdem er verstanden hatte, was
Christians Blick aussagte. „Das willst du nicht, oder?“ Christian sah zu
Martin hoch, der vor ihm stand. „Ich habe keine Wahl.“ Meinte Martin. „Also
bitte...“ Er stockte, sein Blick fiel auf Christians Hand, die seine faßte.
„Geh jetzt...“ Sein Atem ging schneller. „Und was ist, wenn ich nicht gehe?“
Martin antwortete nicht. Das genügte Christian. Behutsam zog er Martin
an sich und legte die Arme um seine Hüfte. Martin sah auf Christian
herab und fuhr ihm durch die Haare. Christian lehnte seinen Kopf an Martins
Körper. Einen Augenblick lang, der Christian vorkam wie eine Ewigkeit,
verharrten sie so. Dann löste sich Martin vorsichtig von ihm. „Dann
muß ich dich leider noch einmal rausbitten.“ Martin deutete auf die
Tür. Christian stand auf. Er kam Martin näher, bis er seinen
Atem spüren konnte. „Bitte mich nicht, zu gehen.“ Er umfaßte
ihn. „Bitte mich lieber, zu bleiben.“ Langsam näherte sein Gesicht
sich dem Martins. Der schloß die Augen. Christian sah ihn mit zärtlichem
Ausdruck an, dann küßte er ihn. Diesmal wehrte sich Martin nicht,
so daß Christian seine Lippen genau spüren konnte. Der legte
die Arme um Christians Hals. Er drückte Martin fester an sich. Der
schob Christian dennoch sanft von sich. Fragend sah Christian ihn an. Ohne
etwas zu erwidern, ging Martin durch eine Tür in ein anderes Zimmer.
Eine Weile zögerte Christian noch, dann folgte er ihm in den Raum,
das Schlafzimmer. Martin stand in  geduldiger Erwartung vor dem Bett.
Sie standen sich gegenüber. „Was jetzt?“ brach Christian das Schweigen.
„Das...liegt bei dir.“ antwortete Martin kaum hörbar. „Du kannst mich
haben, wenn du mich willst.“ Länger wartete Christian nicht. Er ging
auf Martin zu und nahm ihn wieder fest ihn die Arme, bevor die beiden auf
das Bett sanken. Da war sie endlich, die ersehnte Berührung. Christian
spürte Martins heißes Gesicht, seinen schnellen Atem, einfach
alles von seinem Körper, als sie miteinander schliefen.


Christian sah in Martins schimmernde Augen,
als er neben ihm lag. Sein Körper war naß und glänzend
vor Schweiß. Es war einfach wunderschön, ihn anzusehen. „Du
bist so...so hübsch, so...begehrenswert.“ Martin lächelte. „Jemanden
begehren heißt nicht, ihn auch zu lieben.“ „Aber ich liebe dich.“
Christian küßte Martin, als ob er ihm die Wahrheit seiner Aussage
beweisen wollte. Martin strich über Christians warmes Gesicht und
erwiderte seinen Kuß. Dann richtete er sich auf. „Was willst du machen?“
wollte Christian wissen. „Aufstehen.“ Meinte Martin. „Aber wieso?“ fragte
Christian weiter. „Schau mal auf die Uhr.“ Christian sah auf den Wecker
neben Martins Bett. Der zeigte kurz nach drei. „Fünf nach drei, na
und?“ „Solltest du nicht langsam nach Hause gehen?“ Martin sah Christian
fragend an. Der überlegte. „Ja, vielleicht sollte ich das, aber ich
will nicht.“ „Hm, hm!“ Martin zog Christian die Bettdecke weg. „Es ist
mir ernst! Das wir Sex hatten, bedeutet nicht, daß deine Frau verschwindet.
Außerdem...wir hätten es nicht tun sollen.“ Plötzliche
Reue empfindend drehte Martin sich um. „Tut es dir leid, daß wir
miteinander geschlafen haben?“ fragte Christian und holte tief Luft. „Nein...Ja...ich
weiß nicht.“ Beschämt blickte er zu Boden. „Ich fühle mich
jetzt einfach schlecht. Irgendwie...verdorben. Wer weiß, was wir
alles damit kaputt gemacht haben, was für einen Stein wir damit ins
Rollen gebracht haben.“ Martin setzte sich wieder auf das Bett. „Wir...sollten
es bei diesem einen Mal belassen.“ „Das meinst du nicht ernst.“ Sagte Christian
etwas aus der Fassung. „Doch. Irgendwie schon. Ich will deine Ehe nicht
kaputtmachen.“ „Aha, darum geht es also.“ Wütend erhob sich Christian
aus dem Bett. „Du bist es doch nicht. Letzten Endes war es doch meine Entscheidung.“
„Aber ich war der Grund!“ Mit leicht verzweifeltem Blick schaute er Christian
an. „Ich weiß, was ich tue.“ Sagte Christian fest überzeugt.
„Ich will nur nicht später schuld sein. Wer würde denn deiner
Meinung nach die Schuld bekommen, falls das hier rauskommt? Du bestimmt
nicht. Du könntest dich leicht herausreden, es würden ja eh alle
glauben, ich, der böse Schwule, habe dich verführt, den liebenden
Ehemann und Vater, der völlig unschuldig ist.“ meinte Martin in Rage.
„Glaubst du das wirklich?“ rief Christian sauer. „Erstens wird es nicht
rauskommen, und zweitens würde ich so etwas niemals erzählen,
weil ich dich liebe, wie niemand anderen sonst.“ Christian nahm seine Sachen
und stürmte aus dem Zimmer.


Martin betrat das Wohnzimmer, als Christian
sich gerade fertig angezogen hatte. „Es...es tut mir leid.“ Sagte Martin.
„Ich hätte das vorhin nicht sagen sollen.“ Christian sah auf. Martins
Anblick wirkte wieder so anziehend, daß Christian ihm nicht böse
sein konnte. Er wollte ihn, genauso wie zuvor. Er stand auf. „Ja, du hast
recht.“ Sagte er trotzdem nur. Er konnte sich aber nicht zurückhalten,
er mußte Martin einfach küssen. Am liebsten hätte er gleich
wieder mit ihm geschlafen, doch Martin schubste ihn auf sein Sofa. „Gut.“
Er lächelte überlegen. Christian erhob sich erneut, um diesmal
zur Tür zu gehen. „Ich bin morgen im Gemeindehaus, was vorbereiten,
vielleicht sehen wir uns. Und...Komm doch morgen Abend vorbei, wenn du
kannst.“ Sagte Martin. Christian lächelte. Das hatte er gewollt. Er
küßte Martin noch einmal lange und zärtlich, bevor er ging.


„Wo warst du denn so lange?“ fragte Anne
Spatz ihren Mann, als der zur Haustür hineinkam. „Im Gemeindehaus.“
Erwiderte der. „Ich mußte noch etwas klären, wegen den Vorkonfirmanden.
Und dann war ich noch bei Martin.“ Fügte er wahrheitsgemäß
hinzu. „Ja? Wieso?“ Anne stellte eine Kanne Kaffe und zwei Tassen auf den
Eßtisch. „Nur so.“ meinte Christian. „Er ist wirklich nett.“ Sagte
Anne. „Wir sollten uns wirklich öfter mit ihm treffen. Und falls er
irgendwann ml eine Freundin hat, können wir vielleicht zusammen Doppelkopf
spielen. Seit Lackmeiers weggezogen sind, haben wir nicht mehr gespielt.“
„Eine gute Idee.“ meinte Christian. „Ich glaube, er hat da mal etwas von
einer Freundin erzählt. Ich gehe morgen Abend mal bei ihm vorbei und
rede mit ihm darüber.“ Anne nickte. „Du kannst ihn auch mal so wieder
mitbringen. Irgendwie bin ich gerne in seiner Gesellschaft.“ „Werd nicht
schwach, Anne.“ Christian lächelte in sich hinein. „Ach was.“ Anne
grinste. „Und wenn doch, dann wirst du’s gar nicht erfahren.“ „Wie beruhigend.“
sagte Christian. „Wollen wir Kaffee trinken?“ „Eigentlich... habe ich mehr
Lust auf was anderes.“ Anne ging auf ihren Mann zu. „Markus ist im Kindergarten...wir
sind also ganz allein...“


Sie küßte Christian. Es war
für ihn, als würde ihn seine Schwester küssen. Ihm war klar,
was seine Frau wollte. Er wollte schon sagen, daß er nicht in Stimmung
sei, da fiel ihm ein, daß sie es dann wohl noch am ehesten bemerken
würde, daß etwas nicht stimmte. Schließlich war er bisher
immer sehr leidenschaftlich in Bezug auf Sex mit seiner Frau gewesen, bis
Martin gekommen war. Also sagte er lieber: „Gut, warum nicht.“ Er hob sie
hoch und trug sie ins Schlafzimmer.


„Du warst ja letzte Nacht richtig stürmisch.“
sagte Anne zu Christian, als die beiden am nächsten Morgen am Frühstückstisch
saßen. „Ja, ich war halt gut drauf.“ Erwiderte Christian und trank
einen Schluck Kaffee. Aber wahrscheinlich lag es doch daran, daß
er die ganze Zeit an Martin gedacht hatte, letzte Nacht. „Ich muß
auch bald los.“ „Papa, Papa!“ Markus kam auf seinen Vater zugerannt. „Na,
mein Kleiner?“ Christian wuschelte ihm durch die Haare. „Hast du gut geschlafen?“
„Ja. Darf ich heute bei Daniel übernachten?“ „Nanu! Du willst doch
sonst nie von Zuhause weg!“ wunderte sich Anne. „Doch. Jetzt will ich zu
Daniel.“ Meinte Markus. „Also gut, ich bringe dich nach dem Kindergarten
vorbei.“ Stimmte seine Mutter zu. „Oh toll!“ Markus sprang im Wohnzimmer
herum. „Gut, meine Lieben, ich geh jetzt mal.“ Christian stand vom Tisch
auf. „Ich esse irgendwo in der Stadt. Ich komme heute Abend irgendwann
wieder.“ Er küßte Anne noch auf die Wange, dann verließ
er die Wohnung.


Als er am Gemeindehaus ankam, sah er zu
seiner Freude schon Martins Wagen auf dem Parkplatz stehen. Mit schnellen
Schritten betrat er das Gebäude. Er hörte aus Pastor Hallmanns
Büro Martins Stimme, im Wechsel mit der des Pastors. Er klopfte also
an die Tür und trat ein. Drinnen stand Martin am Kopierer und unterhielt
sich, wie schon von draußen gehört, mit Uwe Hallmann. „Ach,
guten Morgen, Christian.“ Sagte Uwe Hallmann. „Hallo.“ Erwiderte der Angesprochene.
Martin nickte ihm lächelnd zu. „Hallo, Herr Spatz.“ „Martin hat mir
gerade von ihrem Besuch im Planetarium erzählt.“ Sagte der Pastor.
„Ja, es war wirklich gut.“ Meinte Christian, während er Martin beim
Kopieren beobachtete. „Es ist gut, wenn dir Jugendgruppe wieder zum Laufen
kommt.“ Meinte Uwe. Da betrat eine Frau, die Sekretärin des Pastors,
das Zimmer. „Herr Hallmann? Die Jahns sind da, zum Taufgespräch.“
Sagte sie. „OK, Frau Meier, ich komme.“ Er stand von dem Stuhl auf, auf
dem er eben noch gesessen hatte. „Wenn sie fertig sind, sagen sie Frau
Meier Bescheid, daß sie abschließt.“ „Klar.“ Meinte Martin.
Dann verließ der Pastor sein Büro. „Na, wie geht es dir?“ fragte
Christian. „Recht gut, und dir?“ „Ebenso.“ Christian sah Martin verliebt
an. „Du bist ja da.“ Martin erwiderte nichts. Er lächelte nur. „Willst
du heute mit mir in der Stadt was essen gehen?“ fragte Christian deswegen.
„Hat Anne da nichts dagegen?“ Martin lehnte sich an den Kopierer und verschränkte
die Arme vor der Brust. „Nein, im Gegenteil. Sie mag dich ziemlich gerne.“
Antwortete Christian ihm. „OK, dann kein Problem.“ Martin nickte. „Wohin
wolltest du gehen?“ „Ich weiß noch nicht. Irgendwo in der Stadt halt.“
Entgegnete Christian. „OK, treffen wir uns am Parkplatz. Um 12 Uhr?“ wollte
Martin wissen. „In Ordnung, 12 Uhr.“ Martin stapelte sein Papier. Als er
an Christian vorbeigehen wollte, hielt der ihn fest. „Es bleibt doch bei
heute Abend?“ Martins Augen blitzten kurz auf. Dann blinzelte er. „Sicher,
wenn du willst.“ „Gar keine Frage.“ Christian sah ihn von oben bis unten
an. Dann ging Martin aus dem Raum.


„Dieser Italiener ist auch nicht mehr
das, was er mal war.“ Meinte Christian, als Martin und er aus dem Restaurant
„Da Bruno“ kamen. „Ich fand es gar nicht schlecht.“ Meinte Martin hingegen.
„Du warst ja wahrscheinlich früher auch noch nie hier.“ „Das ist richtig.“
„Was hältst du noch von einem Eis bei Tiziano im City Point?“ fragte
Christian. „OK, dagegen hätte ich nichts einzuwenden. Wenn du bezahlst.“


Martin grinste. Die beiden gingen also
in die Innenstadt, um bei Tiziano ein Eis zu essen. Sie setzten sich nach
draußen, um die Leute anzusehen, die am City Point vorbeigingen.
Man mußte ja auch die letzten warmen Herbsttage nutzen. Also löffelten
die beiden ihr hausgemachtes, italienisches Eis und beobachteten die Menschen,
die vorbeieilten. „Was hast du heute noch so vor?“ fragte Christian. „Nicht
viel.“ erwiderte Martin und schob sich noch einen Löffel Joghurteis
in den Mund. „Ich geh wohl nach Hause und ruh mich ein wenig aus.“ „Ich
hab...auch nichts mehr besonderes vor...ich könnte doch mit zu dir
-“ Martin schüttelte den Kopf. „Sieben Uhr ist ausgemacht.“ Er sah
ihn mit einem frechen Ausdruck an. „Wir wollen es nicht übertreiben.“
„OK.“ Meinte Christian, mit etwas Enttäuschung in seiner Stimme. „Vorfreude
ist die schönste Freude.“ Munterte Martin ihn auf. „Da bin ich mir
nicht so sicher.“ Christian sah Martin lange an. „Hey, Christian, nett,
dich hier zu treffen.“ Die beiden sahen auf. Vor ihnen stand Peter Folke,
in dem Martin einen der Finanzausschußler wiedererkannte. „Was machst
du hier?“ „Eis essen.“ Erwiderte Christian kurz. „Sag mal, kommst du heute
Abend auch? Wir machen eine kleine Skatrunde im Gemeindehaus.“ Peter wandte
sich auch an Martin. „Sie können natürlich auch kommen.“ „Skat
ist nicht mein Ding.“ Entgegnete Martin. „Ich spiele lieber andere Sachen.“
Er warf einen Seitenblick auf Christian, der sich ein Lächeln verkniff.
„Nein, ich kann nicht.“ Sagte er dann zu Peter. „Oh, wirklich schade. Hast
wohl was besseres vor, was?“ „Das kann man sagen.“ Erwiderte Christian
bedeutungsvoll. „Laß mich raten, romantischer Abend mit Anne?“ Peter
grinste. „So ähnlich.“ Christian blinzelte in die Herbstsonne. „Na
gut, dann...sehen wir uns sicher bald. Auf Wiedersehen.“ „Tschüs.“
Sagte Christian und sah Peter nach, der im Gewühl der Leute in der
Stadt verschwand. „Blödmann.“ Grummelte er. „Ach, der ist bestimmt
ganz nett.“ Meinte Martin. „Wie ist das gemeint?“ wollte Christian wissen.
„Ach, nur so.“ Plötzlich standen zwei Mädchen vor den beiden
am Tisch. Martin erkannte Kathrin und Janett aus der Jugendgruppe. „Hallo
Martin!“ sagte Kathrin lächelnd. „Na, wie hat es euch am Mittwoch
gefallen?“ fragte Martin. „Total gut.“ Erwiderte Janett. „Was machen wir
nächsten Mittwoch?“ „Ich weiß noch nicht.“ Martin zuckte mit
den Schultern. „Ich überleg mir was gutes, OK?“ Die beiden Mädchen
nickten. „Also, bis dann.“ Sie entfernten sich wieder vom Tisch. „Ich glaube,
die beiden mögen dich.“ vermutete Christian. „Kann schon sein. Macht
aber nichts.“ erwiderte Martin. „Ich will dann mal gehen.“ Er stand auf.
„Wir sehen uns ja noch.“ Ohne ein weiteres Wort verließ er den Tisch
und ließ Christian alleine sitzen. Christian sah ihm verwundert nach.
Manchmal war er ihm wirklich ein Rätsel.


Es war Christian ziemlich schwer gefallen,
sich die Zeit bis um 19 Uhr zu vertreiben. Er bereitete alle Mögliche
vor, räumte sogar sein Büro radikal auf, aber das beschäftigte
ihn auch nur zwei Stunden. Dann, endlich, war die Stunde gekommen, in der
sie sich wiedersahen, Martin und er. Christian fuhr zu seiner Wohnung und
klingelte an der Tür. Aufgeregt trat er von einem Fuß auf den
anderen, bis Martin endlich öffnete und er eintreten konnte. Er sah
an Martin herunter. Er trug nur ein langes, kariertes Holzfällerhemd.
Auch das stand ihm gut. „Da bist du also.“ Martin lächelte. „Ja, endlich.“
Christian erwiderte das Lächeln. Er trat auf ihn zu und nahm ihn die
Arme. „Du glaubst gar nicht, wie ich mich danach gesehnt habe.“ Sagte er.
„Wonach riechst du?“ fragte er. „Obsession.“ antwortete Martin. „Es ist
toll.“ Meinte Christian. „Ich wußte, daß es dir gefällt.“
„Gehen wir?“ fragte Christian. „Wohin denn?“ wollte Martin scheinheilig
wissen. „In dein Schlafzimmer.“ „Was wollen wir denn da?“ Martin ließ
sich von Christian in den Raum mit dem Bett schieben. „das wirst du schon
sehen.“ Christian drückte Martin auf das Bett. „Bin ich dir auch nicht
zu schwer?“ wollte er von Martin wissen, der unter ihm lag. „So schwach
bin ich nun auch wieder nicht.“ Meinte der. Er ließ sich küssen.
Christian öffnete langsam die Knöpfe von Martins Hemd. „Verrat
mir mal, was das werden soll...“ Christian antwortete nicht. Er sah Martin
nur lange in die Augen. Dann küßten sie sich und als ihre Zungen
sich zum ersten Mal berührten, ging ein Kribbeln durch Christians
Körper. Martins Atem wurde wilder. „Laß mich nicht länger
warten.“ Flüsterte er. „Schlaf mit mir.“ Christian konnte die Erregung
in seiner Stimme nicht überhören. Es tat seiner Leidenschaft
keinen Abbruch, daß Martin ihn darum bat. Er liebkoste  zärtlich
seinen Körper. „Bitte...“ sagte Martin leise. Endlich kam Christian
seinem Wunsch nach.


„Magst du mich?“ fragte Martin Christian,
als sie erschöpft nebeneinander lagen. „Ob ich dich mag?“ Christian
beugte sich über seinen jungen Liebhaber. „Ich liebe dich.“ Er küßte
ihn. „Ich frage mich, wie ich jemals wieder von dir loskommen soll.“ Er
kuschelte sich wieder in die Kissen. „Ich bin dir einfach hoffnungslos
verfallen.“ „Ehrlich?“ Martin stützte seinen Kopf auf die Hand. „Ich
würde es sonst nicht sagen.“ Christian starrte an die Zimmerdecke.
„Wie soll es jetzt weitergehen?“ wollte Martin wissen. „Wie meinst du das?“
Christian sah ihn fragend an. „Naja, mit uns und so weiter.“ „Das wir uns
wiedersehen ist doch klar oder?“ fragte Christian. „Ich meine so wie jetzt.“
Martin setzte sich auf. „Denkst du nicht, daß Anne das merkt?“ „Denk
doch nicht immer an Anne!“ sagte Christian und zog Martin wieder zu sich
herunter. „Sie mag dich. Sie denkt, wir sind gute Freunde.“ Martin seufzte
und legte seinen Kopf auf Christians Brust. „Es ist ganz schön kompliziert,
mit einem verheirateten Mann eine Beziehung zu haben, wenn man die Frau
mag und umgekehrt.“ „Wieso? Besser kann es doch gar nicht sein.“ Meinte
Christian zuversichtlich. „Sie will übrigens, daß du mal mit
‘deiner Freundin’ zu uns zum Doppelkopf vorbeikommst.“ „Ach ja?“ Martin
legte sich auf ihn und küßte ihn. „Und was soll ich ihr sagen,
wenn ich alleine auftauche? ‘Entschuldigung, meine Freundin liegt neben
ihnen im Ehebett’?“ „Nein, ich glaube nicht.“ Christian strich Martin die
Haare aus dem Gesicht. „Es ist schon spät, du solltest jetzt gehen.“
Martin wies mit dem Kopf auf den Wecker, der zehn vor neun zeigte. „Sag
doch nicht immer, ich soll gehen.“ Christian brachte Martin durch eine
seitlich Rolle unter sich. „Ich habe meiner lieben Frau gesagt, ich komme
irgendwann heute abend. Sie sitzt bestimmt auf dem Sofa und guckt irgendeinen
schmalzigen Film im Fernsehen.“ „OK, sagen wir, bis halb zehn.“ Meinte
Martin. Seine Lippen berührten Christians Mund. „Angenommen, aber
diese Zeit müssen wir doch nutzen!“ Christian  zog den beiden
die Bettdecke über den Kopf.


Christian drehte den Schlüssel im
Schloß herum und öffnete die Tür zu seinem Haus. Er betrat
gleich das Wohnzimmer. Es war so, wie er zu Martin gesagt hatte: Anne lag
friedlich auf dem Sofa und sah fern. „Hallo, na, was guckst du?“ fragte
er und küßte seine Frau. „Bist du auch wieder da?“ Sie streckte
sich. „Ach, ich weiß nicht, wie der Film heißt. Irgendein Schmachtfetzen
mit Humphrey Bogart.“ Sie sah ihren Mann an. „Du siehst so...kaputt aus.
War’s anstrengend bei der Arbeit?“ „Ja, ziemlich.“ erwiderte Christian.
„Deshalb gehe ich jetzt auch schlafen.“ Christian drehte sich um, um ins
Schlafzimmer zu gehen. „Ehe ich’s vergesse, kannst du Markus morgen Abend
von Daniel abholen?“ fragte Anne. „Er wollte unbedingt bis morgen Abend
bleiben.“ „Muß das sein?“ Christian zog die Augenbrauen hoch. „Kannst
du das nicht machen?“ „Würde ich, aber ich bin morgen Abend nicht
da.“ Erwiderte seine Frau. „Ach?“ Christian sah sie an. „Wo bist du denn?“
„Frau Ziemann aus dem Büro hat Geburtstag und feiert. Es ist etwas
außerhalb, sie hat mir angeboten, bei ihr zu übernachten, aber
ich kann euch beide doch nicht allein lassen.“ Meinte Anne. „Moment, wieso
denn nicht?“ Christian witterte seine Chance. „Naja, ich dachte nur, du
willst das nicht, deswegen - “ „Ach, wie kommst du denn darauf!“ unterbrach
Christian sie. „Ich komme ganz gut alleine zurecht. Und vielleicht will
Markus ja auch bei Oma bleiben über Nacht, dann kann ich mit Peter
und den anderen einen Skatabend machen.“ „Ach so!“ Anne grinste. „Darauf
läuft das ganze also hinaus. OK, wenn du meinst. Wenn Markus auch
bei Oma schlafen will, na gut.“ Christian lächelte erfreut. „Das...ist
toll. Wann kommst du denn wieder, am Sonntag, meine ich.“ „Zum Gottesdienst
werde ich wohl nicht kommen können.“ Meinte sie. „So um 11, schätze
ich.“ Christian nickte zustimmend. „Gut, ich geh dann mal ins Bett. Gute
Nacht, Schatz.“


„Ich will aber nicht bei Oma schlafen!“
Trotzig stampfte Markus mit dem Fuß auf. „Aber wieso denn nicht?“
Christian hockte sich vor seinen Sohn. „Es ist blöd da.“ „Was redest
du denn da, du bist doch immer gerne da!“ „Jetzt aber nicht!“ Markus zog
beleidigt eine Schnute. Christian mußte sich schon was einfallen
lassen. „Hör zu, wenn du heute bei Oma übernachtest, dann gehe
ich mit dir morgen ins Kino.“ „Wirklich?“ fragte Markus wieder etwas versöhnt.
„Ja, ja, und auch ein Eis essen, aber nur, wenn du bei Oma -“ „Au ja!“
Markus fiel seinem Vater um den Hals. „Sehr gut, dann mal los. Mama bringt
dich vorbei.“ Da betrat ‘Mama’ auch schon das Wohnzimmer. „Na, alles klar?“
„Papa geht morgen mit mir ins Kino!“ Rief Markus und lief auf Anne zu.
„Wirklich?“ Sie hob ihn hoch. „Ja, ich dachte, das habe ich schon lange
nicht mehr gemacht.“ Erklärte Christian. „Gut, ich werde dann mal
gehen. Hast du deine Sachen?“ Markus nickte. „Gut. Grüß Peter
und die anderen von mir.“ Anne küßte ihren Mann. „Mach’s gut
und viel Spaß.“ „Dir auch.“ Christian sah Anne nach, als sie aus
der Tür ging, mit Markus an der Hand. Dann wartete er nicht länger,
er griff zum Telefonhörer und rief Martin an. Nach schier einer Ewigkeit,
nahm Martin ab. „Martin? Hier ist Christian.“ „Hey, nett, daß du
anrufst. Was ist los?“ hörte er ihn sagen. „Kann ich vorbeikommen?“
wollte Christian wissen. „Ja, weißt du, das kommt jetzt aber etwas
plötzlich.“ Sagte Martin. „Wieso? Kannst du nicht?“ Christian drehte
besorgt am Telefonkabel. „Nein, nein, aber was ist mit Anne und -“ wollte
Martin fragen. „Das ist geregelt.“ Erwiderte Christian. „OK, dann komm
in einer halben Stunde vorbei.“ Christian lächelte. „Ja, mach ich.“
„Bis dann.“ Es knackte in der Leitung und er legte auf. Er konnte es nicht
erwarten.


Genau eine halbe Stunde nach dem Telefonat
stand Christian vor Martins Tür. Martin öffnete wie immer. „Komm
rein.“ Christian trat ein und schloß die Tür. In Martins Wohnzimmer
war alles dunkel, nur Kerzen erleuchteten den Raum. „Wow.“ brachte Christian
nur heraus. Leise Musik lief im Hintergrund. „Hast du schon gegessen?“
fragte Martin. „Nein, wieso?“ „Ich habe uns ‘ne Pizza in den Ofen geschoben.“
„Ich bin aber gar nicht hungrig...“ Christian zog Martin n sich und wollte
ihn küssen, doch der wand sich schnell aus der Umarmung. „Oh, nein
mein Freund! Jetzt wird gegessen!“ Martin verschwand in der Küche
und kam mir der Pizza wieder, die er auf den Tisch stellte. „Setz dich.“
Widerwillig folgte Christian dieser Anweisung. „Iß.“ befahl Martin.
„Na gut.“ Christian nah  ein Stück von der Pizza und steckte
es in den Mund. Sie schmeckte ziemlich gut. Dennoch kam bei ihm kein richtiger
Hunger auf. „Ich hab doch Appetit auf was ganz anderes...“ sagte er. „Hör
mal, eine Beziehung besteht nicht nur aus Sex!“ Martin biß von seiner
Pizza ab. „Erstmal würde ich dich gerne ein bißchen näher
kennenlernen. Schließlich möchte ich wissen, mit wem ich da
schlafe!“ „Was soll ich dir erzählen?“ fragte Christian unwillig.
„Na, wie zum Beispiel...hast du deine Frau kennengelernt?“ „Also, das paßt
doch wirklich nicht hierher.“ meinte Christian und schüttelte den
Kopf. „Doch! Schließlich ist Anne die Frau, die alle Zeit mit meinem
Freund hier verbringen kann! Da will ich doch wissen, was an ihr so besonderes
war, daß du sie geheiratet hast.“


erklärte Martin seine Frage. Christian
zögerte. „Ach komm schon, erzähl es mir.“


Christian seufzte. „Na gut. Und ich dachte
schon, es würde ein romantischer Abend werden...“ „Was nicht ist...“
Martin zwinkerte. „Erzähl endlich.“ „OK, also, es war vor...9? 9 Jahren?
Ja, ich glaube. Ich war grade eine Woche in München, meine Schwester
besuchen. Ich war in der neuen Pinakothek, falls dir das was sagt. Da stand
sie dann. Sie sah sich dieses Gemälde an...von...wie hieß das
noch...“ „Gedächtnis wie’n Sieb.“ Warf Martin ein. „Also willst du’s
jetzt hören?“ Christian sah Martin genervt an. „Bin schon still.“
Er konzentrierte sich auf seine Pizza. „Also wie gesagt, da stand sie also.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich machte von dem guten alten Trick
mit der Uhrzeit Gebrauch -“ „Was für’n Trick?“ wollte Martin wissen.
„Ich habe sie gefragt, wie spät es ist.“ Christian schüttelte
den Kopf. „Denk doch mal nach. Und dann habe ich sie gefragt, ob sie am
Abend schon was vorhat. Sie lächelte mich an und sagte: ‘Ja, ich gehe
mit ihnen ins Kino’. Da hatte ich also die Reaktion auf meine blöde
Anmache. Aber sie hat uns zusammengebracht.“ „Sehr romantisch.“ meinte
Martin mampfend. „Äh - du warst doch fertig, oder? Ich wollte dich
nicht unterbrechen.“ „Doch, doch. Das war alles.“ Meinte Christian. „Jetzt
will ich aber auch was von dem Blödmann hören.“ „Blödmann?“
Martin sah seinen Freund fragend an. „Dein Ex.“ „Ach der!“ Martin schnaubte
wütend. „So’n Idiot! Der dachte,  ich wäre zu dumm, um zu
merken, daß er mich nach Strich und Faden betrügt.“ „Oh, das
tut mir leid.“ Sagte Christian. „Wie gesagt, er war ein Blödmann.“
„Wie hieß er denn?“ wollte sein Freund wissen. „Jürgen.“ Sagte
Martin. „Jürgen Blödmeier.“ Er grinste. „So hieß er?“ Martin
winkte ab. „Ich hab noch ‘ne Frage: Warum hast du dich gerade in mich verliebt?“
„Das ist dieselbe Frage, wie: Warum ist der Unfall gerade jetzt und gerade
dem und dem passiert.“ Erwiderte Christian. „Was für ein Unfall? Wurde
jemand verletzt?“ fragte Martin. „Es war doch nur in Beispiel.“ Meinte
Christian noch mehr genervt. Martin grinste. „Ach nee!“ Christian grinste
zurück. „Willst du noch’n Stück Pizza? Ich hab noch was da!“
Martin zeigte auf die Küche. „Nein, danke. Was gibt’s zum Nachtisch?“
Martin antwortete nicht, sondern kam zu Christian und setzte sich auf seinen
Schoß. „Martin. Auf Wunsch auch flambiert. Aber ich glaube, ich bin
auch so heiß genug...“ Er küßte ihn. „Das wurde ja auch
Zeit.“ Meinte Christian und wollte schon Martins Shirt ausziehen, doch
der hielt seine Hände fest. „Noch nicht. Erst will ich...“ Er stand
auf. „...Tanzen.“ „Du willst was?“ Christian sah ihn ungläubig an.
„Das ist mein Lieblingssong.“ Sagte Martin und lauschte ‘Nightshift’ von
den Commodores. „Meiner auch.“ meinte Christian. Martin lächelte ihn
an. „Dann komm.“ Er zog ihn von seinem Stuhl. „Ach, komm, das ist doch
blöd.“ Martin erwiderte nichts, sondern legte seine Arme um Christians
Hals und lehnte seinen Kopf an die Schulter seines Freundes. „Ist es nicht.“
Sagte er noch leise. Langsam bewegten sich die beiden durch das Wohnzimmer.
Nach einer Weile kam sich Christian auch nicht mehr albern vor.


Als auch die letzten Töne des Liedes
verklungen waren, ließ Martin Christian los und sich auf den Boden
fallen. Er gähnte. „Ich bin so müde.“ Sagte er,  legte sich
auf den Fußboden und schloß die Augen. „Willst du jetzt etwa
schlafen?“ fragte Christian. „Nein, nein.“

Geschrieben von Jadmanx am Donnerstag, 26. Januar 2006

Davids Geheimnis  
Thema: Erotische Gay Geschichten


Davids Geheimnis

„David Brandner, hätten sie wohl auch
die Güte dem Unterricht zu folgen?“ David Brandner blickte auf und
sah den Biologielehrer, der vor ihm stand mit schläfrigem Blick an.
„Entschuldigung, was bitte?“ „Würden sie mir die Freude machen, David,
uns auch mit Ihrer geistigen Anwesenheit zu erfreuen?“ „Klar, sicher.“
David stützte den Kopf auf die Hände und gähnte. „Dann können
wir ja beruhigt fortfahren.“ Herr Klein drehte sich um und wandte sich
wieder dem Tafelbild „Vererbung“ zu. David folgte der restlichen Stunde
an diesem Freitag morgen mit gemäßigter Aufmerksamkeit.

„Hey Brandner!“ David drehte sich um.
Er blieb auf dem Gang stehen. Sein Jahrgangskamerad Florian stand neben
ihm. „Wenn ich etwas erwähnen dürfte...du siehst furchtbar aus.“
Er grinste. David sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. „Ach, komm,
zieh Leine!“ „War ja nicht so gemeint! Aber es gibt da einen Zustand, der
nennt sich Schlaf. In den solltest du gelegentlich mal übergehen!“,
sagte Florian. „Willst du mir jetzt gute Ratschläge geben oder...?“
„Nein, was ich dich eigentlich fragen wollte...“, begann Florian. „Du willst
Geld.“, mutmaßte David mit hochgezogenen Augenbrauen. Florian ließ
David ein positives Lächeln zuteil werden. „Ja, weißt du, du
hast doch immer Kohle. Hätte ich so einen spendablen Vater wie du
- “ „Mach mal halblang.“, unterbrach David seinen Kumpel. „Mein Vater und
großzügig. Das kannst du vergleichen mit Feuer und Wasser. Aber
egal. Wieviel brauchst du diesmal?“ „Ein zwanziger tut’s schon.“ „Ach,
wie freundlich.“ David holte sein Portemonnaie hervor und zog einen Zwanzigmarkschein
heraus. „Danke!“ Florian griff nach dem Geld, doch David zog den Schein
zurück. „Wofür...?“ „Ich hab Katja versprochen sie heute auszuführen.“
„Aha, kein Geld, aber vor den Mädels den Dicken machen oder wie?“
David schüttelte den Kopf und reichte seinem Freund das Geld. „Danke
David.“ „Deine Gesamtschulden belaufen sich jetzt auf genau 124, 60 DM.“
„Hui, soviel?“ Florian rieb sich die Stirn. „Du kriegst es wieder.“ „Klar,
in ewig und drei Tage.“ David nickte weniger zuversichtlich. „Was ist denn
eigentlich mit dir los? Wie gesagt, du siehst nicht gerade gut aus -“ „Hatten
wir das Thema nicht schon mal?“ fragte David genervt. „Ja, ja, aber warum
haust du dich so spät in die Falle? Oder hast du etwa solange für
Geschichte gelernt?“ David wandte Florian langsam seinen Kopf zu. „Oder
hast du das etwa...?“ David  stemmte die Hände in die Hüften.
„Vergessen, scheiße!“ David rieb sich die Augen. „Wie konnte ich
das nur verschwitzen?“ „Vielleicht weil du ständig den ganzen Schultag
verpennst?“ „Spar dir deine tollen Sprüche, ja?“ Florian warf die
Hände in die Luft. „Ich hab nichts gesagt. Also, noch mal danke für
die Kohle.“ Er drehte sich um und ging den Gang in entgegengesetzter Richtung
herunter. David blieb ratlos stehen. Inzwischen hatte es längst geklingelt,
er hatte Mathe. Und danach war Geschichte.

In Davids Kopf hatte sich ein großes
Vakuum gebildet. Er saß vor seiner Geschichtsarbeit und malte kleine
Männchen auf sein DIN - A4 Blatt. Er hatte keine Ahnung, was der Lehrer
von ihm wollte. Er verstand ja noch nicht mal die Fragen, wie sollte er
da denn die richtigen Antworten herausfinden. Er sah sich im Klassenraum
um. Die anderen schrieben eifrig, nur eh hatte noch nichts auf dem Papier
außer seinem Namen und dem Datum des Tages. Er sah auf seine Rolex.
Noch 10 Minuten. Es hatte alles keinen Zweck. David stand auf, nahm seine
Zettel und gab sie dem Geschichtslehrer, Herrn Reichmann. Der warf einen
kurzen Blick darauf und sah dann David an. „Was hat das zu bedeuten?“ David
zuckte mit den Schultern und verließ den Klassenraum. Er ging den
langen Gang  hinunter, bis er zum Jungenklo kam. Er riß die
Tür auf und trat ein. Er ging zu den Waschbecken und betrachtete sich
im Spiegel darüber. Er zupfte an seinen blondierten Haarfransen herum,
unter denen schon der schwarze Ansatz hervorlugte. Seine braunen Augen
hatten etwas an Glanz verloren in den letzten Wochen, seine Haut ließ
ebenfalls ziemlich blaß anmuten. Er drehte den Wasserhahn auf und
schleuderte sich das kalte Wasser ins Gesicht. Er sah sich wieder an. Das
Wasser tropfte von seiner Nase, von seinem geöffneten Mund. Er mußte
an Geschichte denken. Das wurde eine dicke fette sechs. „Fuck.“, entfuhr
es ihm. „Fuck.“ Wütend trat er gegen den Mülleimer, der unter
den Waschbecken stand. Da hörte er eine Klospülung rauschen.
Er verharrte einen Moment, dann sah er hinter sich jemanden im Spiegel.
„Alles klar bei dir?“ David drehte sich um und musterte den Typen. Richtig,
Mark Stern aus seinem Chemie LK und aus dem Deutsch Grundkurs. „Sicher.“,
erwiderte David. „Ich hab nur gerade meinen Geschichtstest versemmelt.“
„Oh. Das tut mir leid.“ Mark ging zum Waschbecken und wusch sich die Hände.
Er korrigierte noch schnell eine seiner braunen Haarsträhnen und sah
sich in die blauen Augen. Dann drehte er sich um und lehnte sich an das
Porzellanwaschbecken. „So schlimm?“ David nickte. „Meine 9 Punkte kann
ich vergessen.“ „Dafür bist du in Chemie ein Genie. Das reimt sich
sogar.“ Mark lächelte. „Das solltest du einschicken, damit räumst
du sämtliche Gedichtpreise ab.“, zischte David gereizt. „OK, sorry.
Ich muß jetzt sowieso gehen.“ Mit diesen Worten verließ Mark
die Örtlichkeit. David und sein Ärger blieben alleine zurück.

David stützte sich in seinem Bett
auf und sah auf den Wecker. Dieser zeigte kurz nach 23 Uhr. Er stand auf
und ging durch sein Zimmer zur Tür. Er öffnete sie und lauschte.
Kein Geräusch ließ sich aus dem geräumigen Einfamilienhaus
hören. Leise schloß er die Tür und ging zu seinem Schreibtisch.
Er schloß eine der Schubladen auf und holte eine Packung Zigaretten
heraus. Dann nahm er seine Jacke von einem Sessel und zog sie über.
Er warf noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, bevor er das Zimmerfenster
an der Südseite öffnete und sich hinausschwang. Er konnte leicht
an einigen Säulen und Pfosten hinabklettern. Auf dem Grasboden angekommen,
steckte er sich eine der West - Zigaretten an. Dann ging er in Richtung
Straße.

Es war Sonntag abend. David lehnte sich
gegen eine Hauswand. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, daß es schon
kurz nach halb eins war. Er begann, nervös auf dem Bürgersteig
herumzuwandern. Ständig fuhren Autos an der viel befahrenen Straße
vorbei. Einige Meter weiter rechts standen einige leicht bekleidete Damen,
denen man ansah, daß die Kälte ihnen zu schaffen machte. David
ließ seinen Blick über den sternklaren Himmel schweifen. Durch
ein leicht quietschendes Geräusch wurde er aufgeschreckt. Er zog an
seiner Zigarette, warf sie daraufhin auf den Boden und ging zu dem roten
Kombi, der an der Straße angehalten hatte. David lehnte sich zum
geöffneten Beifahrerfenster herunter. Er sah sich den Mann auf dem
Fahrersitz prüfend an. Er schätzte ihn auf Mitte vierzig. Der
Ring an dem dafür bestimmten Finger verriet den Ehemann. „Wieviel?“,
fragte der Fahrer mit leicht nervös - rauchiger Stimme. „Hundert,
mit allem drum und dran.“, erwiderte David mit kühler Geschäftsmiene.
Der Mann überlegte kurz, dann folgte das „OK.“ David öffnete
die Beifahrertür und ließ sich auf den Polstersessel sinken.
Er konnte die Häuserwände an sich vorbei schwimmen sehen, als
sie die Straße entlang fuhren.

Gnadenlos klingelte um kurz vor sieben
der Wecker. David öffnete die Augen und tastete nach dem Gerät.
Mit einem gezielten Schlag setzte er den Zeitanzeiger außer Gefecht.
Er setzte sich auf. Ihm kam es vor, als hätte er nur einige Minuten
geschlafen. Viel mehr war es auch nicht gewesen, vielleicht vier Stunden.
Er warf einen Blick auf den Nachttisch. Er öffnete die Schublade und
nahm fünf Hundertmarkscheine heraus, die darauf warteten, im Schreibtisch
eingeschlossen zu werden. „David!“, hörte der Achtzehnjährige
von unten seine Mutter rufen. „Ich komme ja gleich!“, rief David zurück,
stand auf und verstaute das Geld in seinem Schreibtisch. Er streckte sich.
Mal wieder war eine Nacht zuende gegangen, ein neuer Schultag stand ihm
bevor. Er nahm seine zusammengeknüllten Anziehsachen aus seinem Kleiderschrank
und zog sich an. Im Bad traf er anschließend seinen jüngeren
Bruder Alexander. „Weg.“, sagte David herrisch und wedelte mit der Hand.
„Ich geh ja schon.“, brummte der Sechszehnjährige zurück und
verließ das Badezimmer. David stieß mit dem Fuß die Tür
zu und wand sich wie sooft seinem Spiegelbild zu, das nicht gerade attraktiv
anmuten ließ. Die schwarzen Ringe unter seinen Augen waren noch dunkler
geworden und seine Haut sah aus, als würde sie jeden Moment in sich
zusammenfallen. David hielt seinen Kopf unter das kalte Wasser. Er dachte
noch einmal an letzte Nacht. Eigentlich war nichts besonderes passiert.
Er drehte den Wasserhahn ab und trocknete sich in einem Frotteehandtuch
das nasse Gesicht. Er fuhr sich durch die feuchten Haarsträhnen. Dann
verließ er das Bad, um mit seiner Familie zu frühstücken.

Am Eßzimmertisch saßen schon
seine Mutter, sein Vater und sein Bruder. Er nahm neben seinem Erzeuger
Platz. Wie jeden morgen war der wieder in einen schwarzen Anzug mit passender
Krawatte gekleidet, um wie immer seiner Arbeit als Manager einer ortsansässigen
Computerfirma nachzugehen. Er warf einen Blick über die Zeitung auf
seinen ältesten Sohn. „Du solltest früher ins Bett gehen.“, bemerkte
er in seinem üblich scharfen Ton. „Ja, Massa.“, murmelte David. „Wolltest
du etwas sagen?“, fragte sein Vater mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Nein.“ David schüttelte den Kopf und schenkte sich selbst eine Tasse
Kaffee ein. „Dein Vater hat recht.“, sagte seine Mutter in ihrer Funktion
als unterstützende Ehefrau. „Du brauchst viel Schlaf.“ Sie stand vom
Tisch auf, um neuen Kaffee zu holen. David sah ihr nach. Perfekte Hausfrau.
Er stürzte seinen Kaffee hinunter, um möglichst schnell von der
Familienidylle zu verschwinden.

Auf dem Weg zur Schule überlegte
David, ob heute mal wieder eine Arbeit anstand, die er zufällig vergessen
hatte. Nein, heute hatte er wohl Glück. Er griff reflexartig in seine
Jackentasche, um festzustellen, daß er keine Zigaretten mehr hatte.
Alles suchen und kramen half nichts, seine Hände förderten nichts
zutage außer ein bißchen Müll. Er sah sich um. Braunschweig
war so groß, aber kein einziger Zigarettenautomat in der Nähe.
Und hinter der nächsten Ecke war schon das Schulgebäude. David
mußte es also wohl oder übel etwas ohne seine Kippen aushalten.

In der Raucherecke war um kurz vor halb
acht noch nicht viel los, also bestand noch keine Hoffnung für David
auf eine geschnorrte Zigarette. Nervös scharrte David auf dem sandigen
Pflaster. Nach einer endlosen Viertelstunde konnte David endlich Florian
und somit auch einige Glimmstengel anradeln sehen. „Hey Florian!“, rief
David. „Hast du mal ‘ne Kippe für mich?“ David atmete auf, als er
Florians zustimmendes Nicken sah. Er ging ihm entgegen und erhielt sein
nötige Ration Nikotin in Form einer Zigarette der Marke West - ohne.
Beide begaben sich in die Raucherecke. David setzte sich auf eine Holzbank.
„Ist heute irgendwas? Von wegen Arbeiten?“ Florian schüttelte den
Kopf. „Aber ich würde trotzdem aufpassen. Heute ist die vorletzte
Stunde vor der Bioarbeit.“ David nickte. Er sah von weitem einen Typen,
der ihm bekannt vorkam. Als dieser näherkam, erkannte David, daß
es Mark Stern war. Der grüßte ihn, als er an der Raucherecke
vorbeiging. David sah ihm nach, ebenso Florian. „Kennst du den?“, wollte
der wissen. David nickte wieder. „Hm. Ach, ich wollte dir noch von gestern
abend erzählen.“ „Tu, was du nicht lassen kannst.“, war Davids Kommentar.
„Ich sag dir, Katja ist echt scharf.“, schwärmte Florian. „Total gut
drauf und voll locker, in jeder Beziehung.“ Florian grinste. „Verschon
mich mit den Details.“ David hustete. „OK, aber ich wollte noch sagen:
Miriam, du weißt schon, Miriam Waidmann, die Tochter von der Bio_Waidmann,
die ist ganz heiß auf dich, hat Katja gesagt.“ „Überaus interessant.“,
meinte David teilnahmslos. „Was ist denn los mit dir? Du bist doch sonst
immer der, der von den ganzen Weibern umlagert wird. Und das hat dich bisher
doch nicht so gestört.“ Florian sah David fragend an. „Ich hab einfach
nicht den Nerv dazu, im Moment, alles klar?“ David trat seine Zigarette
aus. „Ich hab gleich Deutsch und deshalb gehe ich jetzt.“ Er ließ
seinen Freund in der Raucherecke stehen.

„Was also eure heutige Aufgabe sein soll...“
Herr Kroll, von Beruf Deutschlehrer, setzte sich auf das Lehrerpult. „Schreibt
ein Gedicht.“ Unwilliges Murren schlug ihm entgegen. „Ja, ja, ich weiß,
nicht gerade eure Lieblingsbeschäftigung, aber besser als Grammatik
oder?“ „Und worüber soll das Gedicht sein?“, richtete sich eine Frage
an ihn. „Worüber ihr wollt. Alles ist erlaubt.“ „Und wie lang?“ „Ist
auch euch überlassen, aber schreibt mir keinen Schwachsinn, geballt
in einem oder zwei Worten, OK?“ „OK.“ Es klingelte. David stand auf und
wollte den Raum verlassen, als Mark ihn ansprach. „Tolle Aufgabe, was?“
„Hm? Ja, toll.“ „Vielleicht nehme ich das Chemiegenie - Gedicht.“ Mark
grinste ihn freundlich an. „Mach doch, wenn’s dir Spaß macht.“ David
ging aus dem Raum, aber Mark war er noch nicht los geworden. „Bist du heute
abend auch im ‘Rodeo’?“ „Wo bin ich?“, wollte David wissen. „Der neue Laden
in der Weststadt.“, erklärte Mark. „Mal sehen, glaube nicht.“ David
beschleunigte seinen Gang, um seinen Verfolger endlich loszuwerden. Mark
verstand den Wink, drehte sich um und ging seines Weges.

„Sag mal, weißt du was von einem
neuen Laden in der Weststadt?“ David sah Florian an, der in Bio neben ihm
saß. „Das wollte ich dir ja vorhin noch erzählen, aber du warst
so schnell weg.“ „Könnten die Herren wohl auch mal zuhören?“
Frau Meyer, ihre Lehrerin sah sie an. „Entschuldigung.“, sagte Florian.
„Also was?“ „Ja, das ‘Rodeo’.“ Florian hatte seinen Blick bei der Lehrerin,
die mit dem Unterricht fortfuhr. „Der ganze Jahrgang redet davon.“ „Das
habe ich gemerkt.“, sagte David. „Und, wie ist es?“ „Ich weiß nicht,
ich war noch nicht da, aber ich wollte heute mal vorbeischauen. Bist du
dabei?“, wollte sein Nachbar wissen. „Mal sehen, ob ich’s schaffe.“ „Ach,
komm schon, heute ist doch nicht viel zu tun, so wie ich das sehe.“ „Ich
muß für Deutsch so’n Gedicht schreiben.“, meinte David. „Na
und? Im GK reißt du dir doch sonst auch kein Bein aus, oder.“ „Wie
ich schon sagte, mal sehen, ob ich es hinkriege.“ „Ich ruf dich an.“, raunte
Florian.

„Kann ich heute abend mit Florian weg?“
fragte David beim Familienmittagessen. „Wie war das mit dem Schlafen?“,
fragte seine Mutter. „Morgen ist Schule.“ „Ja, wir wollen auch nur mal
kurz so ‘ne neue Disco anschauen.“, erklärte David. „Was sind denn
das für Sitten?“, wollte sein Vater wissen. „Mitten in der Woche in
die Disco?“ „Ich geh doch sonst auch nicht.“ „Ist das ein Grund?“ „Ach,
kommt schon.“ David sah seine Eltern abwechselnd an. „Um 24 Uhr bist du
wieder Zuhause.“, bestimmte sein Vater. „Alles klar.“, sagte David. „Nimmst
du mich mit?“, fragte Alexander. „Dich? Spinnst du?“ David sah seinen Bruder
von oben herab an. „Warte bis du achtzehn bist.“ „Ach, halt’s Maul.“, grummelte
Alex. „Alexander!“, kam auch gleich die Ermahnung von seinem Vater. „Ist
doch wahr.“ „Morgen kommen Kochs zum Essen.“, lenkte Margot Brandner ab.
„Diese Spießer?“, fragte David. „Rede nicht so von unseren Bekannten.“,
sagte seine Mutter. „OK.“ David hatte keine Lust, sich mit ein paar genervten
Bemerkungen die Erlaubnis für den Abend zu verderben.

Um kurz nach neun klingelte Florian an
der Haustür der Brandners. Margot Brandner öffnete. „Ach, Florian,
David ist sofort fertig. David!“, rief sie ins Haus hinein. „Ja!“ Ihr Sohn
kam die Treppe herunter gerannt. „Geht’s los?“, fragte Florian. „Abfahrt.“
David schob sich an Florian vorbei aus dem Haus. „Aber denk daran, um 24
Uhr bist du wieder hier!“ „Ja, mein Gott. Komm.“ David wartete, bis Florian
die Tür seines Polos geöffnet hatte, dann konnte es losgehen.

Das ‘Rodeo’ war ein Disco von mäßiger
Größe, dafür war die Musik um so lauter. Es war nicht ganz
so verqualmt wie das Jolly. Auch in Gemütlichkeit wurde es vom Rodeo
übertroffen. David und Florian hatten sich einen Sitzplatz mit Blick
auf die Tanzfläche gesichert, die aus zwei Ebenen bestand. Im Moment
tanzten eine Menge vorwiegend junger Leute zu einem Lied von Janet Jackson.
Alles in allem gefiel es David ganz gut. Als er seinem Blick mal wieder
über die Tanzenden schweifen ließ, entdeckte er Mark Stern darunter.
Sie liefen sich wirklich dauernd über den Weg. Auch Mark hatte David
gesehen. Deswegen begab er sich angestrengt keuchend von der Tanzfläche.
„Hi.“, begrüßte er seinen Bekannten. David nickte nur, um seine
Stimme zu schonen. „Wir laufen uns wirklich dauernd über den Weg.“,
rief Mark in angemessener Lautstärke. Was du nicht sagst. David zündete
sich eine Zigarette an und sah Mark erwartungsvoll an. Dann hielt er die
West - Packung hoch, doch Mark schüttelte den Kopf. „Nichtraucher.“,
brüllte der als Erklärung. Auch das noch. Langweiler. „Wie gefällt’s
dir hier?“, fragte Mark. „Ganz gut.“, schrie David gezwungen und hustete.
„Na gut, wie ich sehe, nerve ich dich, also geh ich mal wieder.“ Mark verschwand
wieder in der Menge. Wer es eilig hat, den soll man nicht aufhalten, dachte
sich David. Florian stieß ihn an. „Was will der eigentlich dauernd
von dir?“ David zuckte mit den Schultern. „Ich geh mal kurz an die frische
Luft.“ Er stand auf und bahnte sich einen Weg durch die Leute nach draußen.

Er fror doch erbärmlich ohne seine
schützende Jacke. Zitternd trat David von einem Fuß auf den
anderen. Auch eine weitere Zigarette brachte nicht die erhoffte Wärme.
Er konnte noch das Wummern der Bässe aus der Disco hören, als
er auf dem Parkplatz stand. Er sah zwei Scheinwerfer näherkommen.
Er verharrte auf seinem Platz, bis der Wagen neben ihm verlangsamte und
schließlich zum Stehen kam. Ein Typ mittleren Alters lehnte sich
aus dem Fenster. „Na, Kleiner, kannst du dich noch an mich erinnern?“ „Nicht,
daß ich wüßte.“ David nahm einen Zug von seiner West.
„Wir hatten vorletzte Nacht das Vergnügen.“ „Ach? Wen interessiert
das?“ „Nicht gleich so spröde. Wie wär’s denn...?“ Der Typ setzte
ein gieriges Grinsen auf. „Heute nicht. Zieh Leine.“ David ging ein paar
Schritte, doch der Wagen fuhr weiter neben ihm her. „Ach, komm schon! Ich
leg auch noch was drauf.“ „Such dir’n anderen, OK?“, sagte David genervt.
„Ich will keinen anderen. Hab dich nicht so.“ Der Kerl ließ nicht
locker. „Ey.“ David blieb stehen. „Nein heißt auch bei mir nein.
Wenn du was willst, dann komm morgen wieder. Du weißt, wo du mich
findest.“ „Ich nehm dich beim Wort. Trotzdem schade.“ Damit beschleunigte
der Typ seinen Wagen und fuhr davon. David sah ihm nach. Nannte man das
vielleicht Berufsrisiko? Er trat seine Zigarette aus und drehte sich um.
Dabei stieß er fast mit Mark zusammen. „Oh, entschuldige.“ „Sag mal,
verfolgst du mich oder was?“, wollte David ziemlich genervt wissen. „Nein,
ich wollte nur -“ „Ach, mir doch egal.“ David ging auf die Disco zu. „Was
wollte dieser Typ?“, rief Mark ihm hinterher, doch David antwortete nicht.
Er konnte niemanden gebrauchen, der ihm hinterherschnüffelte.

Am nächsten Morgen in der Schule
war David ausgeschlafener als sonst. Kein Wunder, bei drei Stunden mehr
Schlaf. Aber er war leicht verstimmt ob des Vorfalls vom letzten Abend.
Doch er hatte ja eigentlich andere Sorgen, zumal der Geschichtslehrer angekündigt
hatte, den Test heute zurückzugeben. Er war bekannt für schnelles
Korrigieren. Und David wußte, etwas anderes als eine sechs würde
es nicht sein, konnte es nicht sein, das baute einen doch auf. Also saß
David relativ teilnahmslos da, als Herr Reichmann die Arbeiten mit entsprechenden
Kommentaren zurückgab. „Julia, wirklich außergewöhnlich,
diese Arbeit hat meinen Eindruck von ihnen doch noch gefestigt.“ David
sah im Augenwinkel, daß Herr Reichmann neben seinem Tisch stand.
„David hat in diesem Test den Vogel abgeschossen. Wie ist es ihnen bloß
gelungen, keine einzige der Frage zu beantworten und somit keinen einzigen
Punkt zu erreichen?“ David sah ihn an. „Aha, du weißt es anscheinend
selber nicht. Hier, hänge dir das übers Bett, als Mahnung.“ Herr
Reichmann ließ die Arbeit auf Davids Tisch sinken. Auf den Zetteln
stand nur in roter Tinte ein „Warum?“ und die Punkte, nämlich null
Komma null. „Kein einziger Punkt?“, fragte Julia Friedrichs, die neben
ihm saß. „Ach, sei still ja?“ David sah sie entnervt an. „Ja, ja,
ist ja gut.“ Julia richtete ihren Blick zur Tafel, während David seine
Arbeit in seinem Rucksack verstaute. Als es dann bald darauf klingelte,
stand David auf, nahm seine Sachen und verließ den Raum.

„So, habe ich jetzt alle Gedichte?“, fragte
Herr Kroll. „Ja? Gut, dann werde ich mal ein paar von den Ergebnissen vorlesen.“
Herr Kroll blätterte die Zettel durch. „Wollen wir mal sehen...Felix
Schmidt, mal sehen, was sie zu Papier gebrachte haben.“ Er räusperte
sich und begann vorzulesen. „Das Leben ist wie ein Bleistift. Zu oft gespitzt,
ist es bald vorbei.“ „Das verstehe ich nicht.“, sagte ein Mädchen
aus den hinteren Reihen. „Dann fragen wir doch Felix, was es damit auf
sich hat. Felix?“ „Naja, da kann sich ja jeder seine eigene Lehre draus
ziehen.“, meinte der Angesprochene. „Auch gut. Gar nicht schlecht für
den Anfang, Felix.“, lobte der Deutschlehrer. „Sehen wir weiter...David
Brandner, na mal sehen.“ Herr Kroll ließ kurz seinen Blick über
das Geschriebene gleiten, dann las er vor: „Ein Augenblick der Wärme
vertreibt die Kälte, die ihm Körper ruht. Doch die Seele friert
weiter zu, bis sie eines Tages auseinanderfällt.“ Herr Kroll blickte
seinen Schüler an. „Wieder recht kurz, aber was für eine Aussage.
Was wollten sie damit sagen, David?“ „Es bedeutet das, was da steht.“,
erwiderte der Angesprochene, ohne das Augenpaar aus der Reihe hinter sich
zu bemerken, das ihn mit Blicken durchbohrte. „Auch nett. Ein bißchen
melancholisch, aber das ist gar nicht mal schlecht. Oh, Hier haben wir
einen anonymen Schreiber oder Schreiberin. ‘Braune Augen, die ihren Schimmer
verloren haben, sehen mich an. Sind sie leer oder verstecken sie etwas?
Hinter dem kalten Blick muß etwas liegen, daß ihn so verkommen
ließ.’ Oh je, heute haben sie’s aber mit der Traurigkeit.“ Herr Kroll
schüttelte den Kopf. David saß ganz ruhig da und drehte sich
langsam um, um in die blauen Augen Mark Sterns zu sehen, die ihn musterten.
David war der erste, der den langen Blick brach und sich wieder umdrehte.
„Also, will derjenige sich melden, der das hier geschrieben hat?“ Der Lehrer
wedelte mit dem Zettel in der Luft herum. „Keiner? Auch gut. Das ist nicht
schlecht, nicht schlecht. Wir sollten uns alle Fragen, wem die braunen
Augen gehören, und was ihnen den Schimmer genommen hat. Vielleicht
fühlt sich jemand angesprochen.“ Davids Augen richteten sich auf den
Lehrer. „Gut, fahren wir fort.“ Den Rest der Stunde verbrachte David mit
einem merkwürdigen Gefühl in seinem Körper.

Auch nach der Stunde fühlte sich
David äußerst unwohl. Für ihn war klar, wer das Gedicht
geschrieben hatte, mit den braunen Augen und auch, an wen es gerichtet
war. Er hatte das Gefühl, ein für allemal etwas klarstellen zu
müssen. Deshalb ging er in der großen Pause auf die Suche nach
einem gewissen jungen Mann. Er sah sich genau in der Pausenhalle um, die
mit schwatzenden Schülern gefüllt war. Es brauchte eine ganze
Weile, bis er Mark ausfindig gemacht hatte, aber dann steuerte er zielsicher
auf ihn zu. „Komm mit, ich will mit dir reden.“, unterbrach er ihn im Gespräch
mit zwei anderen Typen, die er nicht kannte. Etwas überrascht folgte
Mark David aufs Jungenklo. „Sag mal, die Aktion mit dem Gedicht war ja
wohl das letzte.“, sagte David, als sie angekommen waren. „Was meinst du?“,
fragte Mark unwissend. „Ach hör doch auf mich zu verarschen!“, rief
David ungehalten. „Du weißt genau, was ich meine, der ganze braune
Augen und ihre Probleme Scheiß!“ „OK, OK, beruhig dich!“ Mark sah
sich um. „Ja, ich hab das Gedicht geschrieben! Mußt es ja nicht auf
dich beziehen.“ „Nein wirklich? Wen meintest du denn dann damit?“, wollte
David wissen. „Hör mal, ich weiß auch nicht, warum ich das geschrieben
habe.“ „Tolle Entschuldigung.“ „Ja man, ich mach mir einfach meine Gedanken.“,
erklärte Mark. „Jeden Tag, wenn ich dich sehe siehst du noch fertiger
aus als am Vortag. Und dann dieser komische Typ gestern vor’m Rodeo -“
„Ey, ich sagte schon, daß das meine Sache ist oder?“, sagte David.
„Das geht dich gar nichts an. Halt dich einfach in Zukunft aus meinem Leben
raus, OK?“ Einen Moment schwiegen sie. „OK.“, sagte Mark leise und nickte.
„Tut mir leid.“ David sah ihn kurz an und verließ dann hastig den
Raum.

In dieser Nacht war es besonders kalt,
außerdem regnerisch, als David auf dem Bürgersteig entlang ging.
Er mußte an den Schultag denken. Warum machte sich dieser Stern solche
Gedanken um ihn? Bestimmt war er einfach neugierig und wollte schnüffeln,
damit er was zum Tratschen hatte. Endlich kam David an „seiner“ Hauswand
an. Er lehnte sich an sie, wie fast jeden Abend. Er sah die Autos vorbeifahren.
Ob der Typ von gestern wiederkommen würde? Der war David schon fast
zu aufdringlich. Aber eigentlich war einer wie der andere. Klar, bei einigen
fiel es leichter, doch bei David verlief eh alles mechanisch. Er fröstelte
und schlang die Jacke enger um sich. Mit großer Aufmerksamkeit betrachtete
er ein Auto, daß die Geschwindigkeit drosselte. Er stieß sich
von der Wand ab, um zu sehen, was für ein Kerl das war. Durch die
verregnete Scheibe konnte er kaum etwas erkennen, bis sie heruntergekurbelt
wurde. Das Gesicht des Typen konnte er kaum erkennen. „David? Sind sie
das?“ Mit einem Schrecken starrte David in das Gesicht, das kurz von einem
blassen Schimmer des Mondlichts, das durch einige Wolken fiel, beleuchtet
wurde. Er machte langsam ein paar Schritte zurück. Es war tatsächlich
Herr Reichmann, sein Geschichtslehrer. Jetzt stieg er auch noch aus dem
Wagen. „David? Warten sie kurz!“ David drehte sich um und beschleunigte
seine Schritte. „Warten sie doch.“ Er schaffte es nicht zu entkommen. Herr
Reichmann stand vor ihm. „Dachte ich mir doch, daß sie das sind.“,
sagte er mit freundlicher Stimme. „Als ich hier vorbeifuhr, kamen sie mir
gleich bekannt vor. Normalerweise mache ich das nicht, aber wenn sich einer
meiner Schüler in diesem Viertel herumtreibt...Was tun sie hier?“
„Am besten vergessen sie, daß sie mich hier gesehen haben und fahren
nach Hause.“ David wollte seinen Weg fortsetzen, seine Schritte wurden
von seinem schnellen Herzschlag wackeliger. „Zuerst sollten sie mir sagen,
was sie hier tun.“ „Ich bin einfach ein wenig herumgegangen.“, log David.
„Sie müssen mir nichts vormachen.“ Herr Reichmann beobachtete eine
von den wenig bekleideten Damen, die gerade in ein Auto einstieg. „Hier
wandert man nicht einfach so herum.“ David zählte systematisch die
Regentropfen, die vor seine Füße fielen. „Wollen sie nicht mit
mir kommen?“ David sah seinen Lehrer fragend an. „Nicht was sie denken.
Vielleicht wollen sie mit jemandem reden.“ „Ich will mit niemanden reden.
Ich komme ganz gut klar.“, sagte David mit feindseligem Blick. „Ich will
ihnen doch nur helfen.“ „Wenn ich Hilfe brauche, dann bitte ich um welche.“,
meinte David. „Warum wollen sich nur alle in mein Leben einmischen?“ Wütend
trat er in eine Pfütze. „Es geht niemanden etwas an.“ „OK. Sie haben
recht. Wenn sie nicht wollen...“ Herr Reichmann wandte sich um. „Aber versprechen
sie mir auf sich aufzupassen.“ „Bis jetzt hat alles ganz gut geklappt.“
Herr Reichmann sah ihn noch an, dann drehte er sich endgültig um und
fuhr wieder davon. David sah seinem Wagen nach. Und was jetzt? Das würde
sicher nicht ohne Folgen bleiben. Wahrscheinlich würde Reichmann gleich
morgen seinem Vater Bescheid geben. Das konnte David wirklich nicht gebrauchen.
„Hey!“ Schnell sah David sich um. Er hatte nicht bemerkt, daß ein
Auto neben ihm gehalten hatte. Diesmal war es tatsächlich der Mann
vom Parkplatz gestern. „Spring rein.“ David zögerte. „Was ist nun?“
Er würde sich von niemandem reinreden lassen. Fest entschlossen öffnete
er die Autotür und nahm Platz. „Na also.“, sagte der Macker zufrieden.
Und schon brausten sie los.

Am nächsten Morgen wäre David
am liebsten im Bett geblieben. Er hatte tierische Kopfschmerzen. Der gestrige
Abend war nicht gerade erbaulich gewesen. Und außerdem hatte er heute
auch noch Geschichte. Wenn er nicht hinging, entging er vielleicht Herrn
Reichmanns strafenden Blicken. Allerdings würde Herr Reichmann dann
wahrscheinlich erst recht mißtrauisch werden. Irgendwie kam es David
vor, als würde sein sorgfältig aufgebautes Kartenhaus langsam
in sich zusammenfallen. Es hatte alles so gut funktioniert. Und auf einmal
dann dieser Hagelsturm von Leuten, die meinten, ihm helfen zu müssen.
Wer hatte denn hier Probleme?

Gesenkten Blickes lauschte David den Worten
seines Geschichtslehrers, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen.
Dieser Röntgenblick war furchtbar. Nicht, daß er sich vielleicht
schämte, nein, ihn nervten alle hier. Er wollte nur alleine sein.
Oder zumindest sollten alle hier einen Maulkorb verpaßt kriegen.
Gab es denn nicht genug Probleme in deren Leben? Zu Davids Überraschung
wurde er nicht von Herrn Reichmann aufgehalten, als er nach der Stunde
den Raum verließ. Dafür lief er Mark Stern über den Weg.
Der sah ihn aber auch nur mit seinen blauen Augen an, ging aber dann vorbei.
Eine gewisse Ruhe breitete sich wieder in David aus. Es ging ja doch. Auf
dem Weg zum Bioraum wurde er langsamer. Heute war doch irgendwas... War
es möglich...? Er hatte schon wieder einen Test vergessen, diesmal
allerdings Bio. Aber er wollte nicht wieder null Punkte riskieren. Einfach
abhauen konnte er auch nicht. Er konnte aber eine kleine Magenverstimmung
vortäuschen, um die ganze Stunde auf dem Klo zu verbringen. Schließlich
sagte ihm irgendwer alle fünf Minuten, wie beschissen er aussah, mit
den dunklen Ringen unter den Augen und der blassen Haut. Das war wirklich
eine gute Idee. Also ging er beruhigt weiter zu seinem Fachraum. Dort angekommen,
liefen schon alle ganz nervös durcheinander. Als Frau Waidmann kam,
setzte David eine Leidensmiene auf und ging auf sie zu. „Frau Waidmann,
mir geht es ganz furchtbar.“ Frau Waidmann musterte ihn. „Du siehst wirklich
nicht besonders gut aus.“ „Ich habe schreckliche Magenschmerzen.“ „Dann
solltest du wohl besser nach Hause gehen.“, meinte Frau Waidmann besorgt.
„Ich gehe am besten mal ins Krankenzimmer.“, schlug David hingegen vor.
„OK, wenn du meinst. Soll jemand mitkommen?“, wollte seine Lehrerin wissen.
„Nein, nein, schon gut. Kann ich nachschreiben?“ „Mach dir darüber
mal keine Gedanken.“ Frau Waidmann lächelte ihn zuversichtlich an.
„Danke schön.“ David setzte ein gespielt gequältes Lächeln
auf und verließ im gekrümmten Gang den Raum.

Selbstzufrieden zündete sich David
eine Zigarette an, als er in einer Toilettenkabine saß. Dieses Weib
glaubte ja wirklich alles. Plötzlich hörte er die Klotür
auf - und zugehen. Zwei Stimmen wurden laut. David warf seine Zigarette
auf den Boden und war ganz still. „Verdammt, ich mach nie wieder solche
Übungen bei Frau Klaus!“ „Halt endlich deine Hand unter kaltes Wasser.“
Das war Mark Sterns Stimme gewesen. „Das hätte ich schon längst
getan, aber die Wasserleitung in der Turnhalle muß ja gerade heute
einen Hauwech haben.“ Die Stimme kannte David nicht. Er hörte das
Wasser rauschen. „Aber jetzt erzähl mal weiter, Mark. Du warst bei
der Deutschstunde.“ „Also...ich glaube echt, daß David Brandner Probleme
hat.“ David wurde hellhörig. Dieser Idiot! Warum mußte er jedem
erzählen, wie schlecht es doch um den armen David stand. Am liebsten
wäre David hinaus gestürmt und hätte Mark mit einer gezielten
Rechten niedergestreckt. „Probleme welcher Art denn?“ „Ich habe mich mal
mit seiner Familie und so weiter befaßt.“, hörte er Mark sagen.
„Weißt du, normalerweise mache ich sowas nicht, aber -“  „Ja,
ja, mach mir nichts vor, red mal weiter.“ „Also, sein Vater ist wohl ein
ziemlich großer Fisch. Aber von Holger weiß ich, daß
er nicht soviel springen läßt für seine Kinder.“ Was erlaubte
sich dieser Mark eigentlich? Das wurde ja immer interessanter! „Aber David
hat immer Kohle. Und guck dir seine Klamotten mal an, immer vom feinsten.“
„Na, was denkst du, wo er das Geld her hat? Glaubst du, er raubt jede Nacht
‘ne Bank aus und sieht deshalb so fertig aus?“ „Blödsinn.“, wehrte
Mark ab. „Aber wie dann?“ „Das muß ich eben herausfinden. Aber das
wird schwer, weil David nicht so gut auf mich zu sprechen ist.“ „Berechtigt,
würde ich sagen. Ich fände es auch nicht toll, wenn jemand in
meinem Leben herumstöbern würde.“ Endlich mal vernünftige
Ansichten. „Ich muß es wissen. Wenn er Probleme hat, braucht er doch
Hilfe oder?“ „Ich denke, er kommt ganz gut zurecht. Sonst würde er
sicher was sagen.“ „Das glaube ich eben nicht. Er würde es niemandem
sagen.“ „Und wenn? Es ist nicht deine Sache.“ Schweigen. „Ich muß
es rausfinden. Sonst werde ich noch wahnsinnig. Ist deine Hand wieder OK?“
„Ja, ja, ich werde sie einfach verbinden. Und du solltest dich um deine
Angelegenheiten kümmern.“ Das Wasserrauschen endete. Die Tür
klappte wieder auf und zu. Damit verschwanden auch die Stimmen. So war
das also. Er war ein mutmaßlicher Bankräuber. Mit Problemen
reif für den Seelenklempner. Wie konnte er diesen Mark nur loswerden?
Unter anderen Umständen vielleicht...Er brauchte aber niemanden, der
sein Leben durcheinanderschmiß. Vielleicht mußte er einfach
etwas mehr schlafen und so tun, als wäre alles in Ordnung. Es war
schließlich auch alles in Ordnung. Probleme machte nur dieser Mark.
Was machte sein Leben bloß so interessant für ihn? War er vielleicht
so etwas wie eine Möchtegern - Mutter Theresa in männlicher Ausführung.
Dabei gab es doch so viele Leute, die David kannte, die wirklich ernsthafte
Probleme und somit Hilfe wirklich nötig hatten. Bestimmt wurde er
Mark niemals los, bevor der nicht wußte, was los war. Was würde
er wohl machen, wenn er es wüßte? Eigentlich war ja nichts los,
aber für einen außenstehenden. Wäre seine Reaktion wie
die von Reichmann, durfte es eigentlich keine Probleme mehr geben, dann
hätte er seine Ruhe. Aber sollte er es drauf anlegen? Er würde
sowieso einfach so weitermachen wie bisher. Das mußte er schließlich.

Mal wieder ein Abend wie jeder andere.
Diesmal allerdings kein Regen, das machte das Warten einfacher. Dreihundert
Mark hatte David schon zusammen. Das Geschäft lohnte sich wirklich.
Zufrieden zündete er sich eine Zigarette an. „Hast du mal Feuer?“
David blickte auf. Vor ihm stand ein junger Mann, vielleicht drei, vier
Jahre älter als er. „Klar.“ David zündete dem Typen seine Kippe
an. „Ruhiger Abend heute.“, meinte der Typ und hielt David seine Zigarette
hin. „Hier, daß macht munter.“ David zögerte und nahm dann den
Glimmstengel entgegen, der einen merkwürdigen Geruch ausströmte.
Er zog daran und mußte husten. „Was ist das denn?“, fragte er hustend.
„’N bißchen Gras.“, erwiderte der Typ. „Das macht die Sache irgendwie
leichter.“ David zuckte mit den Achseln. „Behalt ruhig.“, meinte der Mann,
als David ihm seinen Joint wiedergeben wollte. „Ich hab noch’n paar davon.“
Sie betrachteten die Autos die vorbeifuhren. „Wie lange bist du schon dabei?“,
fragte der Kerl. „Fast ein Jahr.“ „Wie alt bist du?“ „Achtzehn.“ David
zog an der Zigarette. „So jung und schon so down?“, wollte der Typ wissen.
„Wenn du es so bezeichnen willst.“ „Ich brauch einfach das Geld.“, meinte
der Typ mit den glänzenden Augen. „Das Gras hier hilft mir ‘n bißchen,
wenn ich keinen Stoff habe.“ „Koks oder was?“, fragte David. Der Typ nickte.
„Du hast nicht zufällig was?“ David schüttelte den Kopf. „Und...vielleicht
‘n bißchen Kohle?“ David sah ihn an. „Ach, so läuft das. Nee
du, das verdien dir mal selber.“ „Nicht gleich so unfreundlich. Ich will
ja nicht viel. Du kriegst es auch wieder...“, meinte der Kerl. „Ich sagte
nein, OK?“ „Nein, nicht OK!“ Der Typ packte ihn. „Wenn du keinen Ärger
willst, dann gibst du mir am besten die Kohle.“ „Niemals.“ David sah den
irren Blick in den Augen des Typen, aber er ließ sich nicht einschüchtern.
Da bekam er auch schon den ersten Schlag in den Magen. Er schnappte nach
Luft. Dann schlug ihn der Typ zu Boden. Etwas verschwommen nahm David war,
wie der Kerl in seiner Tasche nach dem Geld wühlte und es schließlich
fand. „Hey, laß ihn in Ruhe!“ hörte David jemanden rufen. Er
sah, wie der Typ jemanden anblickte und dann davonlief. „Ey, bleib stehen!“
Kurz darauf sah er das Gesicht von Mark Stern über sich. Das machte
ihn wieder klar. „Was willst du denn hier?“, rief er, so gut es ging. „Ich
bin zufällig hier -“ „Bißchen viele Zufälle!“ David setzte
sich auf. „Alles klar bei dir?“ „Wieso spionierst du mir nach?“, rief David.
„Ich -“ „Spar dir deine Erklärungen! Zufällig habe ich dein Gespräch
heute in der vierten mitbekommen. Weißt du, auf dem Klo.“ Mark sah
ertappt drein. „Mir ist es schleierhaft, wie du drauf gekommen bist, mich
hier zu suchen.“ „Hab ich nicht. Ich war bei einem Kumpel, auf dem Rückweg
bin ich an deinem Haus vorbeigefahren mit dem Rad.“, erklärte Mark.
„Da bist du gerade aus dem Fenster geklettert.“ „Warum bist du nicht einfach
weitergefahren?“, fragte David. „Du solltest doch aufhören, mich zu
nerven.“ „Ja, ich weiß, aber ich mußte wissen, was los ist.“
„Hast du keinen anderen, dem du auf den Wecker gehen kannst?“ David hielt
sich den Bauch, der noch etwas schmerzte. „Nein.“ „Und warum nicht?“ „Du
kommst jetzt erst mal mit zu mir, klar?“ Mark zog ihn hoch, aber David
riß sich los. „Ich komme gut alleine zurecht.“ „Das habe ich ja gerade
gesehen.“ David starrte Mark mit funkelnden Augen an. „Du gibst ja doch
keine Ruhe.“ „Stimmt.“ „Aber dann läßt du mich in Ruhe?“, fragte
David. „Das sehen wir dann, komm jetzt.“

Leise schloß Mark die Haustür
auf. Er deutete David an, ruhig zu sein, als sie das Haus betraten. David
sah sich um. Er konnte im Dunklen wenig von der Einrichtung erkennen und
konnte nur hoffen, nicht zu stolpern. Er folgte Mark über eine Treppe
in den ersten Stock. Dort befand sich Marks Zimmer, das sie jetzt betraten.
„Setz dich am besten auf das Bett.“ Mark machte Licht ein. Es brannte in
Davids Augen. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, sah er
sich in dem kleinen Zimmer um. Gut, für einige Minuten konnte er sich
hier niederlassen. Er nahm auf dem Bett Platz und beobachtete Mark, der
sich ihm gegenüber in einen Sessel fallen ließ. „Und? Jetzt
erzähl mal.“ „Was soll ich schon groß erzählen?“ „Ach,
komm schon.“ Mark sah ihn fragend an. „Du weißt doch genau, was ich
meine. Warum du dich da herumtreibst. Wieso du jeden Morgen so fertig aussiehst.“
„OK, OK. Aber dann gibst du Ruhe.“ David holte tief Luft, was Schmerzen
in seinem Magen verursachte. „Du hast doch sicher schon mitgekriegt, warum
ich da stehe, fast jeden abend, schließlich bist du mir gefolgt.“
„Du tust dasselbe wie die Nutten, die da rumstehen.“, sagte Mark trocken.
„Siehst du. Du weißt es schon.“ „Aber wieso denn? Nimmst du Drogen?
Brauchst du das Geld?“, fragte Mark. David hob die Schultern. „Eigentlich...nicht.“
„Also wieso?“ „Wieso ich meinen Arsch verkaufe...gute Frage.“ David überlegte.
„Vielleicht versuche ich ein bißchen Aufmerksamkeit zu bekommen.“
„Reicht es da nicht, ein bißchen Geschirr zu zerschmeißen oder
sowas?“, wollte Mark wissen. „Nein, ich glaube nicht, daß das bei
meinen Eltern zieht.“ „Ich könnte das nie. Mich da hinstellen. Diese
ganzen Typen...“ „Es ist nur wichtig, daß es sich nicht hier abspielt.“
David legte eine Hand auf seine Brust. „Alles im Kopf. Und, OK, zwischen
den Beinen. Es ist nicht so schwer, wie du denkst.“ „Doch, ich denke, das
ist es schon.“, meinte Mark. „Wenn man dir ‘richtigen’ sexuellen Veranlagungen
hat, ist es noch etwas einfacher, wenn du verstehst.“„ Egal. Ich könnte
es nicht.“ „Meinst du, daß es einen abstumpft?“, wollte David wissen.
„Ja, vielleicht tut es das, aber das ist nicht wichtig.“ „Wieso? Ist die
Liebe für dich gar nicht wichtig?“, fragte Mark schockiert. „Ich glaube
nicht so recht daran.“ „Ich schon.“, meinte Mark. Einen Moment schwiegen
sie. „Du wolltest doch wissen, wieso ich dich nicht zufrieden lasse oder?“
David horchte auf. „Ich dachte, es wäre dir vielleicht schon aufgefallen.“
Mark sah David in die Augen. „Ich...Seit ich dich das erste Mal gesehen
habe, liebe ich dich.“ David klappte die Kinnlade herunter. „Was?“ „Du
hast es doch gehört.“ Mark sah an die Zimmerdecke. „Ich konnte dich
nicht ihn Ruhe lassen, weil es mir weh getan hat, dich so fertig zu sehen.“
Wieder schwiegen sie sich an. David starrte so vor sich hin. Das erklärte
natürlich alles. „Nun, jetzt wo ich alles weiß und du alles
weißt,“, brach Mark die Stille. „Gibt es natürlich keinen Grund
mehr, daß ich dich weiter belästige.“ „Hm?“ David sah ihn an.
„Naja, weißt du, ich nerve dich doch sowieso nur.“ „Das war doch
nur, weil ich dachte, du willst mich ausspionieren und dann alles herumtratschen.“
„Das würde ich nicht tun. Das ich jemandem erzählt habe, daß
ich mir Sorgen mache, heißt nicht, daß ich auch erzählen
würde, was mit dir los ist. Dafür bist du mir zu wichtig.“ „Ich
finde, wenn wir schon soviel voneinander wissen, besteht auch kein Grund,
sich aus dem Weg zu gehen.“ Marks Augen bekamen einen freudigen Schimmer.
„Meinst du das ernst?“ David nickte. „Aber ich sollte jetzt gehen, es ist
schon kurz vor zwei. Du bist sicher müde.“ „So wach wie jetzt in diesem
Moment war ich noch nie in meinem ganzen Leben.“, erwiderte Mark. „Egal,
ich sollte jetzt wirklich gehen. Wir sehen uns ja noch.“ David stand auf.
„Ich bring dich noch runter.“

Die beiden schlichen leise die Treppe
hinunter. Mark öffnete David die Tür. „Bevor du gehst...versprich
mir eins, ja?“ „Was soll ich dir versprechen?“, fragte David. „Daß
du nie wieder da hingehst und dich an die Straße stellst, OK?“ David
sah Mark in die Augen. „Versprochen?“ „Versprochen.“ Mark lächelte.
Er beugte sich vor. Seine Lippen berührten flüchtig Davids Gesicht.
„Ach, tut mir leid, daß war dumm.“, entschuldigte er sich aber gleich
darauf. „Ach, schon gut.“, meinte David überrascht. „Mach’s gut.“
Mark schloß die Haustür. Einen Moment lang blieb David stehen.
Dann ging er, mit einem Lächeln, das über sein Gesicht huschte,
nach Hause.

Seufzend ließ David sich in die
Kissen sinken. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Was für
ein Tag. Er hatte jemandem, den er kaum kannte, versprochen, etwas aufzugeben,
was in den letzten Monaten so elementar für ihn geworden war. Er hätte
es sonst niemand anderem versprochen. Er drehte sich auf die Seite und
schloß die Augen. Irgendwie schön, mit dem Gefühl einzuschlafen,
daß es jemanden gab, der ihn liebte. Wirklich liebte.

Am folgenden Morgen erwachte David mit
einem seltsamen Gefühl. Er mußte erst noch einmal registrieren,
was gestern alles passiert war. Da war dieser Typ, der ihm dreihundert
Mark geklaut hatte. Dann war da Mark gewesen. Der hatte ihn ausgefragt.
Und außerdem erzählt, daß er ihn liebte. David lächelte
und streckte sich. Es war Donnerstag. Morgen begann das Wochenende. An
diesem Morgen war David also ziemlich positiv gestimmt. Sogar sein Bruder